Auf zur Informationsgesellschaft!

Seit Anfang 2012 bietet das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie den Gemeinden des Freistaates eine Förderung für den regionalen Ausbau der  Breitbandinfrastruktur. Soll heißen: Es werden finanzielle Mittel bereit gestellt, um auch den ländlichen Gemeinden schnelles Internet zu ermöglichen. In Anbetracht dessen, dass bereits heute die überwiegende Anzahl der Unternehmen Dienste über das Internet in Anspruch nehmen oder anbieten, kann die Reaktion der Kommunen darauf eigentlich nur große Begeisterung sein, wenn sie wirtschaftlich attraktiv sein wollen. Und auch für Privatpersonen stellt der Zugang zum Internet inzwischen eine wesentliche Voraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe und einen Zugang zum Arbeitsmarkt dar. Die VG Oberes Sprottental führt vor einer solchen Beantragung von Fördermitteln zunächst einmal eine Bedarfsanalyse in den zugehörigen Ortschaften durch. Ansässige Privatpersonen und Unternehmen sind durch einen im Amtsblatt abgedruckten Fragebogen aufgerufen, ihren Bedarf schriftlich darzustellen und bei der VG einzureichen. Doch ist dies eine adäquate Reaktion auf das Angebot des Ministeriums?

Aus Sicht der Regionalentwicklung kann man sich natürlich fragen, ob eine Rückbaustrategie im Altenburger Land nicht tatsächlich die realistischste Reaktion auf die Zukunftsprognosen (siehe z.B. Demografieatlas der Bertelsmannstiftung) ist. Investitionen in schnelles Internet lohnen sich demnach bei sinkenden Bevölkerungszahlen und Überalterung kaum noch. Doch liegen in Internetdiensten womöglich gerade für schrumpfende Regionen auch Chancen: Dienstleistungen wie internetgestützte Einkaufsmöglichkeiten für Menschen, die nicht mehr selbst das Haus verlassen können, der vereinfachte Zugang zu Informationen oder die Möglichkeiten mit den entfernt lebenden Enkeln über Videotelefonie zu kommunizieren sind nur einige Beispiele und werden zukünftig noch stärker gefragt sein als sie dies heute ohnehin schon sind.

Wir sind auf dem Weg zu einer Informationsgesellschaft. Warum nicht die Internetökonomie auch als eine Chance für das Altenburger Land sehen? Informationen sind unabhängig von Zeit, Raum und Standorten. Bei einer entsprechenden Breitbandinfrastruktur hat die Gegend das Potential als Teil dieser Informationsgesellschaft wahrgenommen zu werden. Dies ermöglicht es, einerseits jungen Unternehmern in der Region zu bleiben und trotzdem Produkte global zu entwickeln und zu vertreiben. Andererseits können auch Arbeitnehmer die Vorteile des virtuellen Arbeitsplatzes, bspw. von Zuhause aus, nutzen. Die kreative und sinnvolle Nutzung von schnellem Internet wird weiter wachsen und für Lebensqualität, Gestaltungsfreiheit und Chancengleichheit stehen wie kein anderes Medium. Daher sollte die VG Oberes Sprottental ihre Energie weniger dafür einsetzen, zu prüfen, ob die Breitbandinfrastruktur in der Region tatsächlich ausgebaut werden muss, sondern viel mehr, wie bald das sein wird und wie man Privatpersonen als auch Unternehmer dazu ermutigen kann, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für sich und die Region zu nutzen. Eine Bedarfsanalyse als Grundlage für den Fördermittelantrag sollte lokal demnach nicht nur aktuelle Nutzungsgewohnheiten und Einsatzfelder der Internetverbindung erfassen, sondern ebenso Potentiale, Prognosen und kreative Konzepte für die Zukunft mit einbeziehen. Das ein Fragebogen im Amtsblatt der VG hierfür ein repräsentatives Ergebnis erzeugt, ist nicht plausibel ersichtlich. Vielmehr scheint die VG den einfachsten Wegs gehen zu wollen, anstatt die Chance zu ergreifen mit mehr Aufwand und beispielsweise Zukunftswerkstätten, Bürgerforen, Ideenworkshops oder Unternehmerinterviews, die Region mit einer richtungsweisenden Bedarfsanalyse in eine Zukunft zu führen.

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