Grüne App im Test: ecotastic

Ecotastic

Der Ecotastic-User Sad.is fiction B. hat sich gerade 12 Punkte verdient, indem er per Foto dokumentierte, Leitungswasser statt Flaschenwasser zu trinken. Elisa S. trinkt bio-veganen Milchkaffee und erhält dafür 8 Punkte. Und Serkan K. hat Klamotten auf dem Kleiderkreisel erkreiselt (9 Punkte). In den letzten Wochen hat das Verrückte Huhn die App „ecotastic“ getestet, die seit Ende Mai 2013 auf dem Markt ist.

Kleine Belohnungen und Spielfaktor

Die für User kostenlose App funktioniert so: Man handelt nachhaltig und dokumentiert das per Foto. Das kann von der Busfahrt zur Arbeit über den nachhaltigen Einkauf bis hin zum Upcycling von alten Sachen alles sein. Andere User bewerten dann diese Aktionen auf einer Skala von „sau gut“ bis „naja“, können auch kommentieren und erhalten für die Bewertungen selbst je 2 Punkte auf ihr Punktekonto. Wer viele Punkte sammelt, kann es einerseits auf die Punkterangliste schaffen, wo der Beste Extrapunkte erhält. Andererseits kann man Punkte gegen Gutscheine bei nachhaltigen Firmen tauschen – vom kleinen Heißgetränk in Berlin-Mitte (für 230 Punkte) über einen Poket Garden (240 Punkte) bis zu Gutscheinen in nachhaltigen Online-Shops. Im Newsfeed sieht man, was die anderen Ecotastic-Nutzer in ihrer Freizeit so nachhaltiges anstellen.

Die Android-App Ecotastic hat es seit Mai ganz ohne Marketing-Budget auf über 1000 Nutzer gebracht. Die Software des mehrfach ausgezeichneten Berliner Startups ist für Nutzer kostenlos und finanziert sich durch die Partnerunternehmen, die Gutscheine zur Verfügung stellen.

Ansporn zum nachhaltigen Handeln?

Ein Argument der Ecotastic-Gründer Fabian Lindenberg, Anna Yukiko Bickenbach und Ralf Gehrer ist, dass nachhaltiges Handeln im Alltag derzeit kaum belohnt oder bemerkt wird. Auf Ecotastic aber wird zur Kenntnis genommen, bewertet und belohnt – und Inspiration von anderen erhält man ganz nebenbei.

Nette Gemeinschaft oder schulmeisterliche Besserwisser?

Screenshot des Newsfeed in der App Ecotastic

Screenshot des Newsfeed in der App Ecotastic

Für mich persönlich war es nicht schwer, in meinem Alltagsleben eine Reihe nachhaltiger Aktionen zu finden – zumeist Einkäufe mit Bio-Siegel. Während das Punktesammeln einen gewissen Suchtfaktor entwickeln kann, fand ich die Kommentarfunktion eher nervig. Poste ich beispielsweise meine Bio-Tee-Sammlung und empfehle dabei gleich noch den Online-Laden 5 Cups, wo man sich seine Bio-Tees selbst mischen kann, erhalte ich zwar 14 Punkte dafür, aber auch den Kommentar, dass es im Laden um die Ecke sicher auch Bio-Tees gibt, ganz ohne Versandkosten. Dann mag man ja am liebsten ein Gespräch beginnen, z.B. darüber, dass es vielleicht ein paar Bio-Tees hier um die Ecke gibt (und ich die auch kaufe), aber die Sorten doch recht begrenzt sind, während ich online ganz individuelle Gemische erhalte. Wie es „um die Ecke“ aussieht, kann von zu Person zu Person und von Berlin bis zum platten Land schließlich sehr unterschiedlich sein.

Auf Nachfrage erklärt mir Co-Gründerin Anna, dass es eine bewusste Entscheidung war, dass User auf die mit Bewertungen folgenden Kommentare nicht antworten können: „Wir möchten damit verhindern, dass es zu hitzigen Diskussionen um ein einzelnes Foto kommt. Wir planen aber auf andere Weise den Austausch unter unseren Nutzern zu ermöglichen, vielleicht mit einem Forum, in dem dann zu verschiedenen Themen und Fragestellungen diskutiert werden könnte.“ – Im Augenblick sei Facebook noch die beste Plattform zum Austausch mit anderen Ecotastic-Nutzern. – Die Erklärung leuchtet ein, viele der Bewertungen hinterlassen aber doch einen faden Nachgeschmack in ihrer schulmeisterlichen Art, denn ich unterstelle mal, dass die meisten Bio-Einkäufer und Öffentliche-Verkehrsmittelfahrer etc. im Rahmen ihrer Möglichkeiten handeln und darüber nachgedacht haben. Noch besser geht natürlich immer.

Abgucken und nachhaltiger werden

Screenshot der Website von Ecotastic

Screenshot der Website von Ecotastic

Aber der Newsfeed von Ecotastic kann auch Inspiration geben, erklärt Anna. Empfiehlt ein Nutzer in einer Aktion eine bestimmte nachhaltige Handlung (z.B. die Verwendung der Suchmaschine Ecosia) kann man beobachten, dass es Nachahmer gibt. „Wir finden das echt klasse, da wir die Verhaltensänderung wirklich sehen können“, kommentiert Anna.

Fazit

Die Idee ist gut, das Punktesammeln bringt Spaß und Selbstbestätigung, die Gutscheine der bisher elf Partnerunternehmen, die Ecotastic nach eigenen Angaben nach nachhaltigen Kriterien auswählt, haben mich bisher nicht locken können (auch, weil ich gerade versuche, meinen Konsum zu drosseln). Die Kommentare anderer können die Euphorie etwas dämpfen, die mangelnden Diskussionsmöglichkeiten auch, weshalb ich Ecotastic auch (noch) nicht als Community bezeichnen würde. – Guter Anfang, unterhaltsam, ausbaufähig. Probiert es einfach selbst mal aus – und schreibt uns eure Meinung!

Mehr!

EIN UPDATE ZU ECOTASTIC GIBT ES SEIT FEBRUAR

Weitere grüne Apps haben wir hier vorgestellt.

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2 Responses to “Grüne App im Test: ecotastic”
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  1. […] Unternehmen eintauschen können, rüstet auf. Wie genau Ecotastic funktioniert habe ich bereits in einem Postim Dezember beschrieben. Damals hatte ich noch einige Kritikpunkte, u. a. dass besserwisserische Kommentare […]

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  2. […] grünen Apps, die ich einmal vorgestellt habe und an denen ich hängen geblieben bin – wie Ecotastic und Zu gut für die Tonne – gibt es hin und wieder frische Ideen. Hin und […]

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