Kinder und Ehrenamt: Wie fördert man gemeinnütziges Engagement von kleinauf und wie lernen wir „nein“ zu sagen?

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Was man Kindern vorlebt, kann ihr Verhalten und ihre Einstellung nachhaltig mit beeinflussen – das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Einen tollen Gast-Beitrag über Kinder und gemeinnütziges Engagement hat uns Maja von Kleines Tragbares geschrieben. Vielen lieben Dank dafür!

Manchmal muss man für Blogbeiträge ganz schön weit ausholen, wenn man erklären möchte, wie man auf das Thema kam, über das man schreibt:

Muss es immer erst „fünf vor Zwölf“ sein?

Seit Ende Mai diesen Jahres ist die Tausendjährige Nöbdenitzer Eiche in Ostthüringen auch überregional in der Presse vertreten. Grund für diese Aufmerksamkeit, die auch regional und vor Ort lange zu schlummern schien, ist ein Gutachten des Umweltamtes in Altenburg, welches die Fällung des Naturdenkmals aus Sicherheitsgründen empfahl – bzw. der Umgang mit demselben seitens des Bürgermeisters. Über dies wurde vielfach berichtet – sowohl in der Presse, in sozialen Netzwerken, als auch in anderen Blogs.

Ein Rettungsbündnis aus Vertretern verschiedener örtlicher Vereine sowie interessierter und engagierter Bürger hat sich gebildet. Viele Ideen werden zusammen getragen, Zeiteinsatz und Kräfte gebündelt. Doch muss es immer soweit kommen, dass es „fünf vor Zwölf“ ist, bevor sich Menschen aufraffen, sich einbringen, sich für eine Sache einsetzen…? Wie vieles ist einem nicht bewusst…? Mit welchen Augen laufen wir durch die Welt…? Was braucht es, dass und bis Engagement entsteht…? Und wie können wir unseren Kindern zeigen, dass dies wichtig ist – und ihnen zugleich lernen, dass man auch mal „nein“ sagen muss…?

Engagement und Ehrenamt: Die zwei Seiten der Medaille

Kinder malen für die Erhaltung eines Baumes im Thüringischen Nöbdenitz (Fotoquelle: Facebook-Seite der Gemeinde https://www.facebook.com/noebdenitz)

Kinder malen für die Erhaltung eines Baumes im Thüringischen Nöbdenitz (Fotoquelle: Facebook-Seite der Gemeinde https://www.facebook.com/noebdenitz)

Engagement und Ehrenamt hängen eng zusammen, bei Rettungsaktionen wie denen zu Ehren unseres Naturdenkmals, bei der Mitarbeit in Vereinen und sonstigen Organisationen des Gemeinwohls oder auch der Politik. Es dient einer gemeinsamen Sache, einem Weg mit Ziel, gibt dem Leben unter Umständen eine Richtung und Erfolge. Beides kostet aber auch Kraft und Zeit. Wenn man sich dafür entscheidet, sich zu engagieren, sollte einem dies bewusst sein. Vor allem sollte man aber auch nicht unterschätzen, dass und wie schnell eine Erwartungshaltung dem gegenüber entsteht, der sich einbringen möchte. Rasant kann diese enttäuscht werden, weil es nicht läuft wie geplant, weil sich persönliches ändert, weil man wichtigeres im Leben zu tun bekommt usw. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite ist, dass Engagement und der Mut dazu wichtig sind. Mit offenen Augen durchs Leben und durch die Welt zu gehen, kritisch denken, unbequeme Fragen stellen, den Mut zu haben, sich nicht einfach einzureihen in vorgefertigte Bilder und Muster – das ist wichtig für eine funktionierende gemeinsame Sache, für ein großes Ganzes. Ob dies auch jedem Verein, jeder Aktionsgruppe, jeder Institution bewusst ist, wäre eine ganz andere Frage. Nicht die, die immer nur nicken, und auch nicht die, die immer nur meckern und stänkern, bringen eben diese Sache voran. Es sind die, die sachlich und aus dem Gefühl heraus einen anderen Blick auf die Dinge haben. Den kann man lernen – am besten bereits als Kind. Für mich ist dies ein Teil sozialen Lernens, welcher eng mit Erziehung zu tun hat. Hier können wir als Eltern viel vorleben (ohne perfekt sein zu wollen). Hier können auch Kindergärten und Schulen viel tun (Inhalte genug für einen anderen Post :-))

Die Welt rettet man nicht allein!

Was unsere Kinder ebenso frühzeitig lernen sollten, ist zu verinnerlichen, dass man es nie jedem Recht machen und dass man nicht allein die Welt retten kann. Und dies sollte weder Selbstzweifel, noch ein schlechtes Gewissen oder Traurigkeit auslösen. Es ist das, was andere nicht sehen können oder wollen. Manchmal im Leben ist nicht die Zeit für nach außen gerichtetes Engagement, wenn man die Kraft und die Zeit für die „kleinen Dinge“ im Leben braucht, für sich selbst, für die Familie, für Angehörige, Freunde, Bekannte, ein eigenes Hobby, eine eigene „Sache“. Hier sollte man „nein“ bzw. „Stop“ sagen dürfen. Und wenn ein Amt mit Ehre verbunden ist, hat man immer das Recht selbst so zu entscheiden, ob und wenn ja, mit wie viel Kraft man sich einbringt. Denn manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine Welt ein bisschen besser machen.

Um den Bogen zu schließen: Das Rettungsbündnis rund um die Alte Eiche in Nöbdenitz besteht aus einem solchen Konstrukt ganz unterschiedlich engagierter Menschen. Manche sind präsent, manche teilen nur die Posts auf Facebook, und unsere Kinder malen Bilder und hängen sie mit der Bitte um die Rettung des uralten Baumes öffentlich aus. In der Summe dient alles einer gemeinsamen Sache!

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Comments
2 Responses to “Kinder und Ehrenamt: Wie fördert man gemeinnütziges Engagement von kleinauf und wie lernen wir „nein“ zu sagen?”
  1. kleines tragbares sagt:

    Hat dies auf Kleines Tragbares rebloggt und kommentierte:

    Mein kleiner Gastbeitrag auf den Seiten des Verrückten Huhns – danke fürs Veröffentlichen 🙂

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  2. Antonia sagt:

    Hat dies auf Förderband Nachhaltigkeit rebloggt und kommentierte:

    Gute Gedanken von http://kleinestragbares.wordpress.com/

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