Öko-Nähstudio: Gibt es eigentlich Recycling-Stoffe?

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Auf der Suche nach eigentlich etwas ganz anderem, fiel mir beim Online-Einkauf bei Siebenblau neulich der Unterpunkt „Recycling-Stoffe“ ins Auge. Recycling-Nähgarn aus alten PET-Flaschen kenne ich schon und hab ich schon für gut befunden, aber von Recyclingstoffen hatte ich bisher noch nichts gehört.

Filz aus PET-Flaschen und neu gestrickter Altkleider-Jersey

Textilien aus ausgedienten Plastikflaschen?

Textilien aus ausgedienten Plastikflaschen?

Konkret gibt es so genannten „Recycling Classic Eco-Filz“ in verschiedenen Farben – für 8,50 Euro pro Meter noch ganz preisgünstig. Hergestellt wird er aus alten Plastikflaschen, nach Herstellerangaben BPA-frei. Das passiert, indem Flaschen aus Recyclinghöfen nach Farbe sortiert, zerdrückt und zu neuen Fasern umgeschmolzen werden. Hergestellt wird der Stoff in den USA, gewaschen werden kann er bei 30 Grad. Plastikfrei ist das nicht, aber es gibt dem vorhandenen Plastikmüll ein zweites Leben. Was haltet ihr von dieser Innovation?

Die zweite Sorte Recycling-Stoff, den man derzeit bei Siebenblau kaufen kann, heißt „Recycling Jersey Stoff 100% re-Baumwolle“ und wird in Frankreich aus Altkleidern hergestellt. Diese werden nach Farben sortiert und zu neuen Garnen gesponnen, sodass nicht neu gefärbt werden muss. Trotz stolzem Preis von 23,90 Euro per Meter habe ich mir mal ein Stück von diesem Strick-Jersey bestellt und auf den ersten Blick macht es einen guten Eindruck. Über Langzeithaltbarkeit kann ich natürlich noch nichts sagen.

Zum Schluss: Kleines Panoptikum der Recycling-Stoff-Ideen

Stoffe aus Schnecken-AA?

Stoffe aus Schnecken-AA?

Designer und Wissenschaftler weltweit arbeiten kreativ daran, neue und nachhaltigere Textilien zu entwickeln. Der Guardian hat hier eine kuriose Sammlung über bereits entwickelte Stoffe – aus Tofu-Abfällen, Festival-Abfällen, Schnecken-Kacke, Brennnesseln, Kaffee-Abfällen, … – zusammengestellt. (Der Link erreichte mich von Upcycling-fashion.de via Twitter @upcycling_store – vielen Dank!).

Ich hoffe, es wird bald mehr Altkleider-Stoffe auf dem Markt geben. Bis dahin ist es doch ganz praktisch, statt neue Stoffe, im Second Hand oder im eigenen Kleiderschrank nach ausgedienter Kleidung aus hübschen Stoffen zu fahnden und diese neu zu vernähen.

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Comments
12 Responses to “Öko-Nähstudio: Gibt es eigentlich Recycling-Stoffe?”
  1. Stadtpflanze sagt:

    Bei Recycling-Stoffen aus Kunststoffen bin ich persönlich zwiegespalten. Einerseits bin ich begeistert, weil sie das nutzen, was bereits vorhanden ist und dabei noch einen guten Preis haben (können). Andererseits ist es immer noch Plastik, das Plastik-Problem wird nicht gelöst, sondern nur verschoben.

    Für mich persönlich wird Letzteres immer wichtiger, zumal BPA nicht der einzige (potentiell) problematische Stoff ist.

    Aber ich sehe auch die Vorteile von Plastik-Recycling und kann es gut verstehen, wenn jemand deshalb anderer Meinung ist als ich. 🙂

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    • Marlene sagt:

      Ich bin auch zwiegespalten, schließlich sollte es nicht zum Alibi für weiteren Plastikkonsum werden. Und für Kleidung, die direkt auf der Haut liegt, würde ich es vielleicht auch nicht nehmen wollen!

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  2. Anne sagt:

    Liebe Marlene,

    ich bin auch zwiegespalten: grundsätzlich finde ich es gut, Dinge zu upcyceln, habe sogar selber eine Skijacke aus alten Plastikflaschen. Allerdings sollte dieses Plastikding einfach ganz aufhören, das tut weder uns noch unsere Umwelt gut. Und sog. Bio.Plastik kann´s doch auch nicht sein, oder?
    Jedenfalls mache ich es, wie Du als letztes sagst: Altkleider nutzen. Ich finde das spannend und inspirierend. Gerade nähe ich einen Regenschutz für den Kinderanhänger aus einem alten Duschvorhang – man wird so kreativ bei der Suche 🙂

    Ach ja, es gibt übrigens auch Stoffe aus Milch… Aber auch da weiß ich nicht, wie sinnvoll das wirklich ist.

    Herzliche Grüße,

    Anne

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    • Marlene sagt:

      liebe Anne, da gebe ich dir Recht. Für die Milch-Stoffe müssen ja immer noch die Kühe herhalten, dann können wir die Milch auch lieber trinken.
      Zu Bio-Plastik habe ich gerade gelesen, dass es abbaubare Bio-Plastik aus erneuerbaren, natürlichen Rohstoffen zwar schon marktreif gibt, die aber oft dann doch nur verbrannt statt wie vorgesehen kompostiert wird – da stellt sich die Abfallwirtschaft quer. Hier finde ich, müsste die Politik eingreifen und die schädlichen Plastiktypen konsequent gleich verbieten. Für manche Dinge, wie hygienische Verpackungen von manchen Lebensmitteln, braucht man sicher Plastik, aber warum dann nicht ausschließlich die kompostierbare Variante?
      liebe Grüße, Marlene

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  3. aquasdemarco sagt:

    The North Face will bald zu 100 % aus PET Flaschen seine Jacken stricken und schweißen.
    Plastik bleibt Plastik und der Schweiß stinkt auch bei Recycling
    Plastik.
    Die Arbeitsbedingungen bei der Wiederaufbereitung zur Faser kann ich nichts sagen.

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    • Marlene sagt:

      Oh, danke für die Info! Ich meine, so lange es den ganzen Plastikflaschenmüll gibt und der nicht extra dafür produziert wird – und solange jemand Jacken aus Plastik tragen möchte (die aktuellen Outdoor-Chemie-Produkte sind sicher auch nicht besser), meinetwegen. Aber es ist wohl nur eine Übergangslösung. Wie recycelt man dann eigentlich die Jacken, Stoffe und das Nähgarn aus PET-Flaschen?

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  4. Hallo Marlene!

    Ich kann mir nicht vorstellen, zu Stoffen recycelte Flaschen zu tragen. Irgendwie finde ich das echt eklig.

    Anders sehe ich das mit alten Stoffen. Fleckerlteppiche sind ja auch so was ähnliches und aus alten T-Shirts kann man Garn machen und Körbe häkeln. Das finde ich wiederum ziemlich gut.

    lg
    Maria

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    • Marlene sagt:

      Hallo Maria,
      Das sehe ich genauso. Aber wenn es Leute gibt, die das anziehen wollen, dann ist es gut, wenn die Flaschen ein zweites Leben bekommen. Allerdings sollte man auch da mal einen Gesundheitscheck machen. Gerade Outdoor-Kleidung hat da im letzten Greenpeace-Test ganz schlecht abgeschnitten!
      Liebe Grüße,
      Marlene

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  5. Hallo Marlene,

    ich halte auch nix davon. Den Stoff wollte ich nicht auf der Haut haben. Bei Windbrecherjacken sehe ich das etwas anders. Wegen dem Schutz vor Wind und Regen. Was gibt’s denn regenfestes statt den Outdoorjacken? Ist ja Teflon und auch nicht gut. 😦

    Liebe Grüße – Tanja

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    • Marlene sagt:

      Hallo Tanja,
      Ich glaube in dem Guardian-Artikel stand noch was von Regenkleidung aus Bio-Kautschuk. Ich weiß aber nicht wie atmungsaktiv das dann ist…
      Ich finde es aber schön, dass offenbar auch aktiv nach Alternativen gesucht wird!
      Viele Grüße, Marlene

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  1. […] Der T-Shirt-Stoff (hellblau) war für den ganzen Strampler zu kurz. In Kombi mit dem Rest eines Recycling-Stoffs sieht das Endprodukt sogar schicker aus als eine ganz einfarbige […]

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