Invasion der süßen Plastikenten: Wie man der Plage Herr werden kann

Badeenten

Fast in jedem Haushalt gibt es irgendeine kleine gelbe chinesische Plastikente. Putzig und unschuldig schauen sie drein. Sie kommen als Werbegeschenke, als Mitbringsel, als Maskottchen und Geschenke von Freunden und Familie. Die Kinder nehmen sie gern mit ins Badewasser, das Baby nuckelt bevorzugt am Entenschnabel. Schön und gut?

Leider nein. Denn die meisten Quietschentchen sind meiner Meinung nach kein Spielzeug, sondern allenfalls „Deko“ und nach Gebrauch Sondermüll. Die meisten sind aus PVC (weiches Plastik) und enthalten verschiedene Weichmacher, Zusatzstoffe und Stabilisatoren (interessante Infos dazu gibt’s hier). Das CE-Zeichen, das die meisten Plastikenten tragen, soll eigentlich bezeugen, dass das Produkt den gängigen EU-Regeln entspricht. Allerdings wird es kaum überprüft und die Hersteller geben es sich quasi selbst.

Warum dürfen Unternehmen Experimente mit Kindern machen?

Was mich immer wieder wundert (und aufregt), ist, dass die Wirtschaft der Politik und Gesellschaft offenbar so viel mehr bedeutet als die Gesundheit der Verbraucher. Wäre es nicht einleuchtend, dass eine Art Vorsorgeprinzip gelten müsste, das die Hersteller verpflichtet mögliche gesundheitliche Auswirkungen so weit es geht auszuschließen? Dass Hersteller, die grob fahrlässig Schwermetalle, hormonell wirksame Stoffe und andere ungetestete Chemikalien in ihren Produkten verwenden, zur Verantwortung gezogen werden können? Am besten noch einen Plan für das Recycling ihrer Produkte nach Gebrauch vorlegen müssten? Stattdessen sind unsere Kinder und wir die Laborratten in diesem großen chemischen Experiment.


Plastikenten raus!

Guckt vielleicht etwas treudoof, ist aus Nachhaltigkeitssicht aber völlig in Ordnung - Ente aus Bio-Kautschuk von Hevea.

Guckt vielleicht etwas treudoof, ist aus Nachhaltigkeitssicht aber völlig in Ordnung – Ente aus Bio-Kautschuk von Hevea.

Zurück zum Ausgangspunkt. Badeenten haben die merkwürdige Eigenschaft immer wieder wie von Zauberhand im Haushalt aufzutauchen. Ein Geschenk der Großeltern, der Nachbarin, was weiß ich. Letztens habe ich die süßen Tierchen in einem unbeobachteten Augenblick verschwinden lassen und stattdessen eine große helle Riesenente aus Naturkautschuk von Hevea gekauft. Der Hersteller nimmt Altbestände (z.B. alte Naturkautschuk-Schnuller) übrigens auch wieder zurück zum Recyclen und gibt dafür Prozente für den nächsten Einkauf – find ich vorbildlich!). Die Kinder haben den Neuankömmling zunächst misstrauisch beäugt und vermissen die „Spritzfunktion“ (die aber ohnehin nur für eklige Ablagerungen in der Ente sorgt). Inzwischen geht das Baden aber auch super mit dicker Ente und zugehörigem Naturkautschuk-Frosch. Es gibt übrigens auch noch eine Menge anderer Anbieter nachhaltiger Badetier-Alternativen!

Wen ich als nächstes bei uns mit einer kleinen Plastikente erwische, werde ich sofort einen zweistündigen Vortrag halten… 🙂

Wenn man bei einem Produkt im Zweifel ist, kann man immer noch beim Hersteller direkt nachfragen. Der muss wegen des EU-Chemikaliengesetzes REACH Auskunft geben. Der BUND hat dafür auf seiner Website vorgefertigte Anfrageformulare.

Logo-EiNaB

Dieser Beitrag ist gleichzeitig ein Teil der neuen Link-Party „Einfach. Nachhaltig. Besser.“, mit der sich Blogger zum Thema besser vernetzen können sollen. Schaut mal rein, in diesem Monat findet die Feier im Blog „Zwischengeflecht“ statt.

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Comments
4 Responses to “Invasion der süßen Plastikenten: Wie man der Plage Herr werden kann”
  1. Antonia sagt:

    Heute erst habe ich eine der „fiesen“ alten Plastikenten heimlich entsorgt. Der Plan war, nachdem wir jetzt auch eine der „guten“ Enten haben und diese auch gut ankommt, die anderen nach und nach auszusortieren. Leider ist der Verlust sofort aufgefallen und es gab ein Riesen Drama. Ich habe behauptet, die Ente sei in den Urlaub gefahren. Nun wartet J sehnsüchtig auf ihre Rückkehr. Ich hoffe, ich werde nicht weich und so irre, dass ich das bekloppte Weichmacher-Ding wieder aus der Tonne hole. Allerdings lauert schon eine neue Gefahr. Morgen kommt die Schwiegeroma, die in der Regel für unzertifizierten Enten-Nachschub sorgt. Da werde ich vielleicht mal deinen Post vorlesen.
    PS: habe mal gelesen, dass bei diesen Enten aus China fast alle CE-Zeichen gefälscht sind 😦

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    • Marlene sagt:

      CE ohne Nummer ist fast immer unseriös, hab ich gelesen. Alles schon sehr traurig, denn solche chemischen Details liegen nun wirklich nicht in der Verantwortung der Verbraucher. Wenn du die Schwiegermama nicht direkt vor den Kopf stoßen willst, kannst du den Blogpost ja ausdrucken und auf de,m Sofa rumliegen lassen mit rot markierten Stellen 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Christiane sagt:

    Jaja, auch hier haben sich auf verschlungenen Pfaden solche Biester eingeschlichen. Zum Glück fanden meine Kinder die Ablagerungen im Innern so eklig, dass sie freiwillig keine Enten mehr im Badewasser wollen. Nun stehen sie da noch als Deko rum – irgendwie auch sinnlos, aber wenigstens unschädlich. Erstmal …
    Liebe Grüße
    Christiane

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