Unfaires Glitzern: Sind alle Pailletten Kinderarbeit?

Pailletten2

Jetzt ist es bald wieder so weit. Zu Fasching werden wieder viele (Eis-)Prinzessinnen, Feen und Elfen um die Wette glitzern. Auch bei uns zu Hause. Wer in der Kita und anderswo (auch im Büro und in der Bar) besonders Glänzen will, tut das ja oft mit Pailletten. [Wer jetzt denkt: „Paiii-was?“, ich wusste auch erst nicht, dass die kleinen Plastikplättchen, die jede einzeln manchmal als Deko auf Kleidung und Accessoires gestickt werden, so heißen…] Nun hatte ich vor einiger Zeit bei Nunu, die ja auch den Greenpeace Fashion Guide 2 mitgeschrieben hat, mal gelesen, dass es eigentlich keine fair produzierten Klamotten mit Pailletten zu kaufen gibt. Den genauen Post find ich nicht mehr. Aber seither rede ich meinem Kind im Laden das Geglitzer aus und erzähle ihr, dass das arme, hungrige Kinder in stundenlanger Heimarbeit draufnähen müssen und wir deshalb lieber was anderes kaufen.

Den hier als Illustration dienenden Pulli hat Kind übrigens geschenkt bekommen. Er ist äußerst beliebt!


Gibt es wirklich keine faire Mode mit Pailletten?

Jetzt ist das schon wieder eine Weile her und ich hab mich gefragt, ob es wirklich bzw. immer noch keine faire Mode mit Pailletten gibt. Nicht, dass ich als Ökomama übertrieben die Moralkeule schwinge (wobei man Pailletten auch wegen ihres Plastikgehalts ablehnen könnte bzw. müsste! Aber es kommt ja auf die sachlich richtige Argumentation an ;-)). Ich hab recherchiert und keine genauen Zahlen gefunden.

Pailletten: Jedes glänzende Kunststoffplättchen muss in Handarbeit einzeln angenäht werden

Pailletten: Jedes glänzende Kunststoffplättchen muss in Handarbeit einzeln angenäht werden

Aber viele Organisationen und Nachrichtenseiten geben tatsächlich den allgemeinen Kaufhinweis, dass Kleidung mit Pailletten, die kein Fairtrade-Label trägt, meist ein deutlicher Hinweis auf Kinderarbeit ist. Es gibt wohl auch äußerst teure Maschinen, die Pailletten annähen können, aber die würde sich kaum eine Textilfabrik leisten. Wenn nicht Kinder arbeiten, dann produzieren krass unterbezahlte Heimarbeiterinnen bei schlechten Arbeitsbedingungen. Es kommt einem vor wie ganz ganz schwarzer, fieser Humor, dass wir unsere Kinder mit von armen Kindern der so genannten Dritten Welt produzierter Glitzerkleidung schmücken. Ist aber Wirklichkeit.

Ich habe mal einschlägige Online-Shops für ökofaire Mode durchsucht, aber da gibt es höchstens den ein oder anderen fair hergestellten Schal mit Pailletten zu kaufen. All die glitzerbunten Prinzessinnenkleider gibt es da zumindest nicht.

Bleibt noch die Möglichkeit, sich ein Tütchen Pailletten zu kaufen (online oder im einschlägigen Stoff-, Bastel- oder Kurzwarenladen vor Ort) und sich selbst ans Werk zu machen. (Das hab ich fürs liebe Kind sogar mal gemacht. Da bekommt man ein ganz anderes Gefühl der Wertschätzung für die jungen Paillettensticker in Indien, Bangladesh und anderswo!). Das Plastikargument aber bleibt.


Ab zu #EiNaB

Logo-EiNaBIch finde dieser Post passt mal wieder gut in unsere Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben“, die noch bis 9. Februar 2016 bei Maria stattfindet. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, dort ebenfalls Beiträge zu irgendwie grünen, nachhaltigen Themen einzureichen.

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Comments
12 Responses to “Unfaires Glitzern: Sind alle Pailletten Kinderarbeit?”
  1. Hallo Marlene!

    Spannendes Thema, war sicher sehr viel Arbeit das zu recherchieren, wenn es so wenig dazu gibt.

    Ich selbst mag Glitzerzeug an der Kleidung sowieso gar nicht. Einerseits mag ich Geglitzere nicht, andererseits finde ich es beim Waschen schwierig, die Fäden gehen so leicht auf und das Ding wird schnell kaputt und dann finde ich es noch kratzig an der Haut.

    Viele, viele Gründe – abseits von Plastik natürlich – warum so etwas gar nicht in meinem Kleiderschrank zu finden ist.

    Perfekt finde ich Deine Lösung mit selber machen und der Wertschätzung, die man dann plötzlich bekommen, denn das ist sicher Hölle viel Arbeit!

    lg
    Maria

    Gefällt 2 Personen

    • Marlene sagt:

      Liebe Maria,
      das kommt ja noch dazu, ich mag auch kein Geglitzer, schon als Kind war mir das nicht wichtig und das hat sich gehalten. mein Kind guckt mich immer entsetzt an, wenn ich sage, das Glitzer gefällt mir nicht …
      LG, Marlene

      Gefällt 1 Person

  2. Hat dies auf Fundstücke aus dem Internet rebloggt und kommentierte:
    Marlene zeigt in ihrem Beitrag eine ethisch korrekte Lösung, wenn das Kind unbedingt doch Pailletten auf der Kleidung haben möchte.

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  3. anne sagt:

    Ach, danke! Ich denke ja echt an viel, aber daraus bin ich noch gar nicht gekommen – und ich finde Pailetten eigentlich ziemlich schick. Ich liebe es, auf Euren Blog zu stöbern und immer wieder auf so was aufmerksam gemacht zu werden! Danke dafür!

    Gefällt 2 Personen

    • Marlene sagt:

      Hallo Anne, lieben Dank fürs Lob! Leider müsste man ja auf 1001 und mehr Sachen achten, wenn man immer alles richtig machen will. Ich finde es schade, dass es so wenige Alternativen zu den billig angenähten Pailletten gibt, nicht jeder mag das ja selber machen. Ich würde zur Not auch mehr ausgeben, wenn ich wüsste, dass dafür fair bezahlt wird.
      Viele Grüße,
      Marlene

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  4. Zwergenmama sagt:

    Hallo Marlene, danke für deinen tollen Beitrag.
    Ich versuche Pailletten zu vermeiden, da ja Plastik… Allerdings habe ich vor vielen Jahren viele Pailletten auf mein Ballettkostüm nähen müssen! Ich war kurz davor, einfach auf den Auftritt zu verzichten, so sehr hat mich dieses Gefummel genevt! Wirklich viel Arbeit, und wirklich erschreckend, dass das hauptsächlich Kinder machen müssen. Ich habe vor kurzem eine Doku über Arbeiterinnen in Bangladesh gesehen, da ging es auch um Stoffe, die mit Pailletten verziehrt sind- die werden in Indien? von noch schlechter bezahlten und noch jüngeren Kindern genäht, anschließend kommen die Stoffe nach Bangladesh in die Fabriken… Wenn mir wieder einfällt, was das für eine Doku war sage ich dir bescheid!
    Viele Grüße

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    • Marlene sagt:

      Hallo Zwergenmama,
      Das klingt ganz fürchterlich! Sag mal Bescheid, wenn dir der Name der Doku wieder einfällt. Interessant, dass ihr eure Pailletten selbst auf eure Ballettkostüme nähen musstet!! Dafür zählst du nun zu der Minderheit, die weiß wie viel Arbeit dahinter steckt.
      Lg Marlene

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  5. Fussel sagt:

    Da bin ich ja froh, daß ich so’n Glitzerkram auch noch nie mochte. Ich hatte mal eine Strickjacke mit ein paar Pailletten drauf, wo ich das Muster mochte und die Glitzerdinger nur aus Faulheit nicht abgetrennt habe. Und dann gibt’s da noch einen geschenkten Pullover, der schon länger auf der „Abschußliste“ steht (hätte ich mir so nicht gekauft). Seit ich meine Pullover komplett selber stricke, gibt’s gar kein Glitzerzeugs mehr. Es gibt so viele schöne Muster und Wollfarben, was brauch ich Glitzer.

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    • Marlene sagt:

      Hallo Fussel, so gehts mir auch! Aber wenn man dann so eine kleine Glitzerfee im Haus hat, wird man mit sowas konfrontiert. Vielleicht ist es nur eine Phase 😉
      Viele Grüße,
      Marlene

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  6. Olaf sagt:

    Spannendes Thema, aber Google doch mal nach Pailletten Maschine, schaut schon so aus als ob es da erschwingliche Maschinen gäbe.

    Gefällt 1 Person

    • Marlene sagt:

      Hallo Olaf, danke, das möchte ich tatsächlich tun. Wenn statt Kinderarbeit Paillettenmaschinen zum Einsatz kämen, wäre ich sehr beruhigt. Dann noch biologisch abbaubare Pailletten… 😉 LG Marlene

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