Ausstellungstipp: Schnelle und langsame Mode im Deutschen Hygiene-Museum Dresden

Titel

Noch ein Museum (nein, zwei!), das ich loben und dringend hier im Blog vorstellen muss: Dieses Wochenende stand im Deutschen Hygiene-Museum Dresden ganz unter dem Motto „Mode trifft Moral“. Zwei Tage lang gab es Theaterstücke, Filme, Panel-Diskussionen, Workshops, grüne Modenschauen und Mitmach-Stationen zu Upcycling und Slow Fashion im Museum selbst und in der ganzen Stadt, wo nachhaltige Designer und Modemacher ihre Läden und Ateliers öffneten. Wer jetzt denkt „ohh verpasst!“, der kann sich damit trösten, dass die Ausstellung „Fast Fashion“, die den Ausgangspunkt für alle diese Aktionen bildete, noch bis 3. Juli 2016 in Dresden zu sehen ist. 

Warum ich schrieb, dass ich zwei Museen loben muss? Das liegt daran, dass die Ausstellung ursprünglich aus dem Hamburger Museum für Kunst- und Gewerbe stammt und dort schon letztes Jahr zu sehen war. 800 Quadratmeter einnehmend, ist die Ausstellung durchgängig in zwei Sprachen gehalten und in Dresden finden Führungen auch in Gebärdensprache, für Blinde und Sehbehinderte und natürlich auch in englischer Sprache statt. Heute war der Eintritt frei und wahre Menschenmassen führten sich die Auswüchse unserer Modeindustrie vor Augen – was ich nur begrüßen kann. Ich finde es unglaublich wichtig, dass sich Museen auch mit solchen aktuellen Themen befassen und auch hier ein Bildungsangebot bieten, denn auf diese Art kann ein wirklich breites Publikum erreicht werden.

Pressebild zur Ausstellung " Fast Fashion " am 04.12.2015 im Hygienemuseum in Dresden .  Foto: Oliver Killig

Pressebilde zur Ausstellung “ Fast Fashion “ am 04.12.2015 im Hygienemuseum in Dresden . Foto: Oliver Killig

Die Bilder aus Bangladesh, Indien und anderswo schockieren auch mich immer wieder. Der Film, der in der Ausstellung lief, ließ mich aber auch schmunzeln, als die indischen Textilarbeiterinnen im Interview ihre eigenen Erklärungen für die bergeweise ankommenden, kaum getragenen Kleidungsstücke fanden, die sie sortieren, zerreisen und zu zerteilen hatten. Die Vermutung ging dahin, dass bei uns im Westen wohl Wasserknappheit herrschen müsse, sodass es günstiger für uns wäre, Kleidung nur zwei-drei Mal zu tragen und dann wegzuwerfen, statt sie zu waschen. Anders könne man sich das nicht erklären. Und irgendwie haben sie recht.

Die Ausstellung „Fast Fashion“ ist aber glücklicherweise nicht nur belehrend, sondern gibt viel Raum für engagierte Designer, Alternativen aufzuzeigen. Dieser Teil der Ausstellung wurde in Dresden extra erweitert und es gibt nun ein großzügiges „Slow Fashion Lab“, das auf einem Laufsteg den neuesten modischen Ideen junger sächsischer Designer und nachhaltigen Projekten von der Berlin Fashion Week Raum gibt. Ebenfalls immer wieder beeindruckend finde ich die Arbeiten „Beyond Fashion“ von Susanne Friedel, die 2013 Textilarbeiter in der Optik der Modeindustrie stylte („Der Freitag“ interviewte die Künstlerin hier dazu).

Die Bloggerin Lisbeth von "You & I heart DIY" bei "Mode trifft Moral" im Hygiene-Museum Dresden

Die Bloggerin Lisbeth von „You & I heart DIY“ bei „Mode trifft Moral“ im Hygiene-Museum Dresden

Im angesprochenen Slow Fashion Lab standen heute den ganzen Tag junge Designer zum Gespräch bereit, wie zum Beispiel von Daedalus, die fair gehandelte Shirts im Siebdruckverfahren mit Motiven aus der lokalen, sächsischen Kunstszene bedrucken. In der Empfangshalle des Museums wurde gesponnen, genäht und man konnte auch selbst aktiv werden und zum Beispiel wunderhübsche Stoffblumen aus einem alten Schal der Bloggerin und Youtuberin Elisabeth Bahlke – Blog You and I heart DIY – basteln (danke, dass ich dich fotografieren durfte!).


Ab zu EiNaB

Logo-EiNaBWie immer passt dieser Post wieder gut zu unserer monatlichen Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben.“, die aktuell bis 9. März bei Fool Fashion stattfindet. Zum ersten Geburtstag der Linkparade bahnen sich einige Veränderungen an. Es gibt bereits eine Facebook-Gruppe zur Linkparade, wo alle herzlich eingeladen sind, beizutreten und ihre passenden Posts auch dort zu teilen.

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Comments
One Response to “Ausstellungstipp: Schnelle und langsame Mode im Deutschen Hygiene-Museum Dresden”
  1. Hallo Marlene!

    Wichtiges Thema, liegt mir sehr am Herzen. Wie toll, dass man da auch eine Begleitaktion gemacht hat! Es ist gut, wenn Mensch sehen, wie etwas selbst gemacht wird! Die „schnell mal kaufen“-Generation kann sich das nicht mehr vorstellen, wie das ist.

    lg
    Maria

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