Fall Change.org vs. Telecom: Welche Verantwortung trägt der Kunde, welche das Unternehmen?

Telecon

Auf Change.org läuft derzeit eine Petition, die sich an die Telecom richtet: „Stoppen Sie sämtliche Angebote, die aus Smartphones Wegwerfgeräte machen! #NotHappy“, fordert darin der Initiator der Petition, Ole Kuestermann. In einem bestimmten Tarif bietet das Unternehmen seinen Kunden alle 12 Monate ein neues Smartphone. Kuestermann will das Unternehmen mit seiner Petition davon überzeugen, dass seine „Marketingstrategie unglaublich umwelt- und gesellschaftsfeindlich ist und eingestellt werden muss“. Zur Petition, derzeit knapp 44.000 Unterschriften, geht es hier.

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Ich habe den Link zur Petition auf Twitter geteilt, weil ich finde, dass so eine Tarifoption die Kunden geradezu anstachelt, ein neues Smartphone anzufordern, auch wenn das alte noch prima funktioniert. Wenn es diese einfache Option nicht gäbe, würden viele Leute wohl länger überlegen, bis sie ihr altes Gerät austauschen. Auf meinen Tweet erhielt ich promt eine Antwort von der Telecom, wo vermutlich gerade ein armer Marketingmitarbeiter Krisen-PR betreibt. Ich wurde auf die Stellungnahme des Unternehmens zur Petition verwiesen.

Ist der Verbraucher selber Schuld?

In dieser Stellungnahme wird u.a. beschrieben, dass man viel in Nachhaltigkeit investiere und auch gebrauchte Handys zurücknehme bzw. inklusive Datenlöschung in ankauft. Anschließend würden die gebrauchten Geräte entweder weiterverkauft oder ordentlich recycelt. Das kann ich grundsätzlich nur begrüßen. Der Haupttenor des Artikels zielt aber darauf zu betonen, dass letztlich der Kunde ja selbst entscheide, als selbst Schuld sei, wenn er Ressourcen verschwendet und die Option in Anspruch nehme. Schließlich werde (so sinngemäß) niemand gezwungen, jedes Jahr ein neues Telefon zu nehmen.

Nun schreibe ich diesen Post, um eure Meinung zu hören. Schließlich betonen wir alle ja immer wieder die „Macht“ und die „Verantwortung“ des Verbrauchers und dass man mit seinem Konsum etwas bewegen kann. Ist dann wirklich der Verbraucher Schuld – oder liegt die Verantwortung nicht auch bei den Unternehmen, die ihn ganz gezielt „in Versuchung“ führen? Ich bin gespannt auf eure Meinung! – Und natürlich sind auch Ole Kuestermann und die Telecom herzlich eingeladen, mitzudiskutieren.


Ab zu EiNaB

Logo-EiNaBWie immer passt dieser Post wieder gut zu unserer monatlichen Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben.“, die aktuell bis 9. März bei Fool Fashion stattfindet. Zum ersten Geburtstag der Linkparade bahnen sich Veränderungen an – es wird bald eine eigene Website zur Linkparade geben! Jetzt schon gibt es eine Facebook-Gruppe zur Linkparade, wo alle herzlich eingeladen sind, beizutreten und ihre passenden Posts auch dort zu teilen.

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Comments
8 Responses to “Fall Change.org vs. Telecom: Welche Verantwortung trägt der Kunde, welche das Unternehmen?”
  1. Hallo Marlene!

    Es fängt ja damit an, dass der Konsument den Tarif wählt. Also noch bevor er ein Jahr später in Versuchung geführt wird, das weiß er ja schon zuvor.

    Ich persönlich habe einen Tarif, wo ich alle 2 Jahre Anspruch auf ein neues Handy habe, alternativ kann ich mir einen Bonus auf den Tarif holen, wo er um einen gewissen Betrag (je nach Zeitpunkt der Wahl mehr oder weniger) reduziert wird.

    Mein Handy ist fast 10 Jahre alt und noch immer kein Smartphone. Diese Option habe ich schon 2 x in Anspruch genommen und nur noch 4 Euro pro Monat bezahlt für den Tarif.

    Insofern kann man sagen, dieser Anbieter macht es dem Kunden leicht auf das neue Handy zu verzichten. Wobei ich diese Möglichkeit in Ö schon bei mehreren Anbietern gesehen habe.

    Gibt es so etwas auch in D?

    lg
    Maria

    Gefällt 1 Person

    • Marlene sagt:

      Hallo Maria, das finde ich eine sehr nachhaltige und sinnvolle Tariflösung, denn dann wird auch der belohnt, der eben nicht das neue Handy nimmt. Umgekehrt bliebe man immer mit dem Gefühl zurück mehr sein Geld mehr bekommen zu haben, hätte man das fünfte neue Telefon genommen. Da muss ich mich mal erkundigen, wie das in Deutschland so ist.
      Liebe Grüße,
      Marlene

      Gefällt 1 Person

  2. Grünzeug sagt:

    Hallo Marlene!

    Ich finde die Frage nach der Verantwortung, die ja auch immer eine nach der Schuld beinhaltet, hier sehr schwierig zu beantworten.

    Natürlich haben die Konsument*innen das freie Wahlrecht, welchen der gefühlt Millionen Tarife sie nun beanspruchen und von welchen Vorteilen sie profitieren möchten.
    Doch ich denke, Verantwortung liegt auch bei den Unternehmen und ihren Angeboten selbst. Denn diese müssen auch beachten, dass der durchschnittliche Verbraucher / die durchschnittliche Verbraucherin eben nicht hochreflektiert und konsumkritisch agiert – sondern sich nach dem für ihn oder sie billigsten oder rentabelsten Angebot richten wird. Das kommt den Firmen, die solche umweltsünderischen Tarife anbieten, natürlich sehr zugute – und wird schamlos ausgenutzt.

    Ich glaube, hier die alleinige Verantwortung auf die Konsument*innen abzuwälzen, ist ebenso kurz gedacht, wie der umgekehrte Weg. Wie so oft ist hier vermutlich die goldene Mitte richtig. Jeder und jede hat persönliche Verantwortung, die er oder sie durch seine Kaufentscheidungen zum Ausdruck bringt. Doch das, was der Markt hergibt, beeinflusst uns ebenso nachhaltig, weshalb ein Großteil der Verantwortung auch bei den Konzernen liegt.

    Das ist vielleicht vergleichbar mit der Frage nach wegwerfbaren Plastiktüten im Supermarkt und Einzelhandel: Immer mehr Verkaufsstellen weigern sich, weiterhin kostenlose Tüten zur Verfügung zu stellen – der Umwelt zuliebe. Unabhängig davon, dass dieser Schritt schon weit überfällig war, sind die Kund*innen nun gezwungen, entweder Geld für eine neue Tüte zu bezahlen – oder sich den eigenen Jutebeutel mitzubringen. In letzter Zeit sehe ich an den Kassen vermehrt letzteres.

    Liebe Grüße
    Jenni

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    • Marlene sagt:

      Hallo Jenni,
      Danke, dass du mitdiskutierst, diese Frage ist nämlich wirklich nicht so pauschal zu beantworten. Man kann von Firmen nicht verlangen, dass sie immer ökologischer handeln als die Verbraucher, die vielleicht genau diesen Tarif wollen. Und natürlich müssen Firmen was verdienen. Aber mich stört immer, dass die Rechnung nicht zu Ende gedacht ist. Wieso wird eine Firma nicht finanziell zur Verantwortung gezogen für den Umweltschaden, den sie mitverursacht? Dann würde es sich gar nicht mehr rentieren. Das gilt natürlich für andere Branchen noch viel mehr. Sowas lässt sich letztlich nur über den Gesetzgeber regeln und der macht es nicht, weil die Firmen dann in andere Länder abwandern…
      Schwierig!
      Liebe Grüße,
      Marlene

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  3. Also ich finde, Verantwortung kann man nicht verschiebn. Die Verantwortung tragen der Nutzer (Ich lehne Begriffe wie „Konsument“ ab) des Tarifs ebenso wie die Telecom. Beide entscheiden diesen Mist zu machen. Aber beide machen dabei mit, weil sie ja eben den Konsum wollen – zumindest, solangees noch Alternativen gibt.
    Und ja, ich lebe mit meinem Prepaid-Tarif und meinem Retrohandy sehr gut.
    Gruss und noch einen schönen Sonntag
    Nachi

    Gefällt 1 Person

    • Marlene sagt:

      Hallo Nachi,
      Das ist gut zu hören! Ich glaub auch nicht, dass man sich als Unternehmen hier so einfach rausreden kann, denn man ist ja „Anstifter“. Es greifen darüber hinaus noch gewisse psychologische Mechanismen beim Nutzer. Sobald der Mensch denkt, er macht ein Schnäppchen, setzt das Denken aus…
      Ich wünsch dir noch einen schönen Abend!
      Marlene

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  4. Nicole sagt:

    Die Option neues Handy oder monatliche Vergünstigung gibt es in Deutschland auch. Ich hab schon mehrmals eine monatliche Gutschrift a 5 Euro für die nächsten 24 Monate angeboten bekommen und auch immer gerne genutzt.

    Einmal habe ich ein neues Smartphone genommen und dieses direkt OVP weiter verkauft (mit den Erlös wurde die Autoversicherung gezahlt 😉 ).

    Mir sind Menschen suspekt, die immer das neueste Teil haben müssen. Ich habe ein Smartphone bei Ebay ersteigert und es war damals vor zwei Jahren schon nicht das neuste Modell. Sollte es irgendwann den Geist aufgeben (und das tun sie leider schneller als die guten alten Mobiltelefone), dann werde ich mir ein Fairphone kaufen 🙂

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    • Marlene sagt:

      Hallo Nicole,
      Genau das ist auch mein Plan, sollte mein Smartphone mal nicht mehr wollen. Ich finde toll, dass jemand die Anstrengung unternimmt, sowas wie ein Fairphone herzustellen… Inzwischen hat mir die Telekom auf Twitter geschrieben, dass es im kritisierten Vertrag keinen Bonus für diejenigen gibt, die kein neues Smartphone nehmen. Das ist natürlich schwach!
      Liebe Grüße und danke fürs Kommentieren
      Marlene

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