Brauchen wir wirklich so viel Zeug? – 10 Tipps zu weniger Konsum

Das aktuelle Greenpeace-Magazin widmet eine ganze Ausgabe der Frage, wie viel wir als Einzelne gegen die großen Umweltprobleme unserer Zeit ausrichten können. Die Ausgabe ist voll von motivierenden Beispielen, was einzelne Menschen vorangebracht haben und was man mit Änderungen alter Gewohnheiten alles erreichen kann. So weit, so gemütlich. Als ich dann aber das Interview mit dem schottischen Ökonomen Graeme Maxton gelesen habe, hätte ich fast den Mut verloren.

Graeme Maxton war bis vor Kurzem Generalsekretär des Club of Rome. Gerade hat er das Buch „Change“ verfasst. Er zeichnet eine düstere Vision unserer nahen Zukunft.

Viele denken ja, wir sind fein raus und unsere Kinder sicher auch noch. Aber vielleicht ist das gar nicht so. Ich zitiere mal Maxton:

„Wenn wir in den nächsten Jahren den Trend nicht umkehren, können wir nicht mehr verhindern, dass die Erderwärmung uns in absehbarer Zeit klimatisch vierzig Millionen Jahre zurückkatapultiert, in eine Zeit, in der die Erde für Menschen kein lebenswerter Ort gewesen wäre. Unsere Kinder und Enkel werden um Wasser, Ressourcen und bewohnbare Flecken der Erde kämpfen.“ (Graeme Maxton, Greenpeace-Magazin 6.18, S. 43)

Als ausgebildeter Ökonom musste Maxton irgendwann einsehen, dass das ewige Wachstumsziel unserer Wirtschaft radikal eingedämmt werden muss, wenn wir die Entwicklung noch aufhalten wollen.

Es sind Klima-Superhelden gefragt

Mir kam es beim Lesen so vor, als zeichne Maxton ein Bild, das in einen typischen Hollywood-Actionfilm passen könnte. Nur, wo ist der Klima-Superheld, der das Ruder zur Rettung der Menschheit noch rumreißen wird? Sind wir wirklich wie Lemminge, die sehenden Auges ins Verderben rennen? Überfordert der Blick in eine etwas langfristigere Zukunft unsere angeblich so gut entwickelten Hirne? Offensichtlich, psychologisch lässt sich der Reflex, sich besser aufs Hier und Jetzt zu konzentrieren prima erklären.

Entmutigend fand ich Maxtons nüchterne Antwort auf die Frage „Können grünes Wachstum und nachhaltiger Konsum Teil der Lösung sein?“ Er sagt: „Nicht mehr. Die Nachhaltigkeitsszene hat zwar viele tolle Ideen, wir haben aber den richtigen Moment verschlafen. Hätten wir in den Siebzigerjahren konsequent angefangen, gute Ideen umzusetzen, hätte es funktionieren können. Jetzt ist es zu spät.“

Und nun?

Ein kleines Trösterli gönnt uns Graeme Maxton. Er empfiehlt uns: „Tun Sie sich mit anderen zusammen, helfen Sie anderen, die Notwendigkeit für Veränderungen zu verstehen. Wählen Sie Politiker, die die Probleme erkannt haben. Kaufen Sie weniger Zeug! Und bleiben Sie optimistisch, auch wenn es schwer fällt.“ Die einzige Möglichkeit für uns Einzelne ein wirksames Zeichen zu setzen, ist offenbar Konsumverzicht. „Wenn alle Deutschen in Zukunft nur zehn Prozent weniger kaufen würden, hätte das schon einen Effekt.“

Einweg-Verpackungen lassen sich mit etwas Vorbereitung vermeiden.

Einweg-Verpackungen lassen sich mit etwas Vorbereitung vermeiden.

10 Tipps für 10 Prozent weniger Konsum

Ein Gefühl dafür, wofür wir in Deutschland Geld ausgeben zeigt diese Infografik.

1. Konsumiere bewusst

Um zehn Prozent Konsum einzusparen, müssen wir uns erst einmal bewusst sein, wie viel wir kaufen. Ich habe angefangen, eine Liste über meine persönlichen Klamottenkäufe zu führen. Im Augenblick hab ich dieses Jahr erst drei neue Teile gekauft, zwei davon gebraucht. Weniger Kleidung kaufen ist eigentlich gar nicht schwer. Über einen Neukauf, denke ich jetzt einfach länger nach und wäge ab, wie wichtig er mir wirklich ist. Wenn ich dringend eine neue Hose brauche, kaufe ich mir die natürlich auch. Mein Ziel: Dieses Prinzip auf andere Lebensbereiche auszuweiten, am besten für die ganze Familie.

Gegen Spontankäufe hilft, eine Nacht drüber zu schlafen und sich am nächsten Tag zu fragen, ob man etwas wirklich braucht oder ob es nur ein Wohlfühlkauf gewesen wäre.

2. Einkaufsliste schreiben

Ein ganz einfach umzusetzender Tipp ist, sich vor dem Einkauf genau aufzuschreiben, was man braucht. Wenn man sich konsequent an der Liste hält, landen nicht so viele ungeplante Dinge im Einkaufswagen.

Und bloß nicht mit leerem Magen in den Supermarkt! Denn mit knurrendem Magen kauft man schnell mal alles mögliche.

3. Menüliste für die Woche anlegen

Wenn ich genau weiß, was ich in der kommenden Woche kochen möchte, brauch ich beim Einkauf nicht spontan für alle Eventualitäten einkaufen!

4. Möglichst unverpackt kaufen

Viele Dinge, die wir kaufen, dienen lediglich als Verpackung. Dadurch, dass ich meinen Einkauf fast ausschließlich regional (und bio) über unsere Ökomarktgemeinschaft online kaufe, sparen wir als Familie im Vergleich zu den Nachbarn ca. drei (!) gelbe Säcke pro Monat. Ich bestelle online und bekomme Obst und Gemüse in Pfandkisten unverpackt geliefert, Milch und Joghurt in Pfandflaschen und Brot, Mehl und Hafer in Papiertüten usw. Welches Konsum-Reduktionspotential darin steckt, sieht man jeden Monat deutlich am produzierten Plastikmüll.

Ansonsten hilft auch hier etwas vorausschauendes Planen. Wenn wir verreisen, packen wir einen Picknicktasche samt wiederbefüllbaren mit Apfelmus gefüllten Quetschies und Kaffee in der Thermoskanne. Wiederverwendbare Coffee to go-Becher sind übrigens viel hübscher als weißes Papp und werden in den meisten Cafés problemlos befüllt.

5. Gebraucht kaufen und leihen

Kauft man gebraucht, werden erstmal keine neuen Ressourcen verbraucht. Bücher, Kleidung, Möbel – vieles gibt es gebraucht in super Qualität. Gebrauchte alte Möbel haben oft ein viel schöneres Flair als brandneue. Und manches muss man vielleicht gar nicht selbst besitzen. Statt selbst einen Dampfreiniger oder eine Bohrmaschine zu kaufen, die man dann nur einmal im Jahr nutzt, könnte man einfach den Nachbarn fragen oder sie im Baumarkt leihen. Ein schöner Nebeneffekt: Auf dem Dachboden/im Keller stapelt sich nicht so viel Zeug!

6. Regional und saisonal kaufen

Wenn man Lebensmittel regional und der Saison entsprechend kauft, müssen sie keine Weltreise machen, um zu uns zu kommen. Diese eingesparten Ressourcen sind für uns zwar „unsichtbar“, aber trotzdem eingespart.

7. Öfter reparieren (lassen)

Reparieren ist im Moment nicht vorgesehen. Oft ist es günstiger, neu zu kaufen. Das ist nicht nur absurd, sondern bedroht langfristig unser aller Lebensraum. Beim Kauf sollten wir versuchen, gezielt nach Produkten Ausschau zu halten, die sich gut reparieren lassen. Und es dann auch machen.

8. Mach’s selbst

Gemüse und Obst selber anbauen, ernten und verarbeiten. Reinigungsmittel z.B. per Sauberkasten selber mischen. Klamotten selbst nähen – möglichst aus nachhaltig produzierten Stoffen oder Altkleidern. Selbermachen hat auch den Effekt, dass wir die so entstandenen Produkte wertschätzen!

9. Einen Gang runter schalten

Beim Thema Mobilität gibt es viel Potential. Öfter mal das Rad nehmen oder kurze Wege zu Fuß gehen zum Beispiel. Fahrgemeinschaften bilden. Öffentliche Verkehrsmittel nehmen. Und ja, weniger fliegen, auch wenn die Zugtickets perverserweise teurer als die Flüge sind.

10. Ökostrom wählen

Dem Klima hilft es, Ökostrom zu wählen. Aber auch, Energie und Wärme zu sparen, hilft. Die ganzen Regeln, die wir dazu schon in der Schule gelernt haben (ich zumindest!), sind noch aktuell. Und machen tatsächlich einen Unterschied, auch für den Geldbeutel.

Euren ökologischen Fußabdruck könnt ihr hier ausrechnen. Obwohl ich mir schon sehr viel Mühe gebe, bräuchte man für meinen Lebensstil – würden das alle so machen – geschätzt und grob überschlagen 2,5 Erden. Es gibt also noch viel Luft nach oben!!!

Was sind eure Tricks, um weniger zu konsumieren?

Wie immer passt der Artikel hervorragend zu unserer grünen Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben.“ – Alle Blogposts zu nachhaltigen Themen können dort verlinkt werden.

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Comments
4 Responses to “Brauchen wir wirklich so viel Zeug? – 10 Tipps zu weniger Konsum”
  1. Micha sagt:

    Tja, es ist offensichtlich, dass der Punkt noch nicht erreicht ist, wo genügend Menschen einsehen, dass wir uns radikal ändern müssen. Es wird noch deutlich schlimmer auf dem Planeten, bevor die Menschheit als Ganzes umdenkt.
    Und sobald man eigene Kinder hat, darf man nicht mehr verzweifeln und nichts tun, sondern muss das Beste draus machen, und tun, was man kann.

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  2. Hallo und guten Morgen,
    gut, dass die Kinder noch zur Sprache kommen. Es ist so elementar wichtig, dass WIR ihnen VORLEBEN (!), wie man nachhaltiger, besser und gesünder leben kann.
    Ich möchte dazu zum ersten Mal meinen Leitspruch auf meinem Blog zitieren:
    `We do not inherit the earth from our parents. We borrow it from our children´.
    Außerdem möchte ich noch hinzufügen:
    Bei Lebensmitteln immer genau lesen, was da drin ist (wenn man sich vorher schlau macht, weiß man mehr – und Brille nicht vergessen, weil alles Fragwürdige sehr klein gedruckt ist).
    Ich repariere als Hobbyhandwerker alles, was mir in die Hände kommt. Und das macht mir Spaß und es ist immer sehr interessant, einen Fehler herauszufinden. Und da kann man die Kinder mit einbeziehen, weil die noch hoch motiviert bzw. neugierig sind für alles, was wir bereits verlernt haben (Werzeugkasten für Kinder ist ein MUSS).
    Ich habe beim Kaufen an Werkzeug nicht gespart. Und da sollte man schon top Qualität wählen. Ist heute für jede(n) erschwinglich.
    Und unbedingt auf LED Lampen wechseln. Hab bei uns ALLES ausgetauscht und bereits nach kurzer Zeit eine Rückzahlung von über 500 Euro erhalten (hat mich selbst gewundert).
    Sorry, dass ich mich hier so ausgebreitet habe, aber es liegt mir sehr am Herzen.
    Jede(r) muss bei sich selbst anfangen.
    Schönes Wochenende!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

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    • Marlene sagt:

      Hallo Jürgen, danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ich hab richtig Lust bekommen, den Kindern zu Weihnachten eine ordentliche Werkbank zu schenken 🙂 Sie haben jetzt schon viel Spaß am Basteln und Werkeln und du hast recht, so ein gewisses Grundwissen sollte dazugehören. Danke auch für den Tipp mit den LED, hast du auch Altbestände radikal ausgetauscht?
      Viele liebe Grüße,
      Marlene

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