Freitage für die Zukunft: Wie unsere Gesellschaft mit #FridaysforFuture umgeht

In letzter Zeit richten glücklicherweise tausende junge Menschen jeden Freitag die öffentliche Wahrnehmung auf den Klimawandel. Jedenfalls versuchen sie das. Denn leider probieren wir „vernünftigen Erwachsenen“ immer wieder vom Thema abzulenken. Dann wird zum Beispiel statt über unsere Zukunft ausladend und langatmig darüber diskutiert, ob man es billigen darf, dass Schüler freitags nicht zur Schule gehen. Es herrscht schließlich Schulpflicht. Ich versuche mal ein paar der Gedanken, die mir seit Wochen im Kopf kreisen, festzuhalten.

Es ist ein bisschen so, als würden wir nur darüber reden, ob Lokführer für mehr Lohn streiken dürfen, statt über ihre Forderungen zu reden. Eines der extremsten Beispiele ist dieses absurde Interview des Deutschlandfunk (den ich ansonsten sehr gerne höre) mit Grünen-Fraktionsleiter Anton Hofreiter. Da versucht der Interviewer Christoph Heinemann quasi auf Teufel komm raus das Gespräch auf die Schulpflicht und nicht auf die drängenden Fragen der Menschheit zu richten. Und mag man ihn nun mögen oder nicht, ich gebe Anton Hofreiter völlig recht, wenn er sagt, dass es hier tatsächlich um die Zukunft der jungen Menschen (und unsere, die schon ein paar Jahre älter sind!) geht. Und dass es natürlich nicht den gleichen medialen Effekt hätte, wenn die Proteste am Samstag stattfinden würden. Leider ist unsere Gesellschaft so gestrickt, dass großes Aufsehen oft erst bei einem „zivilen Ungehorsam“ erregt wird.

Erstmal vom Thema ablenken: Pseudo-Debatten zu Fridays for Future

Eine andere Pseudo-Debatte, die derzeit gerne geführt wird, ist die um die Person Greta Thunberg. Wenn man ihren Namen googelt, schlägt die Suchmaschine unter den ersten 10 Suchempfehlungen auch „Eltern, Größe, Krankheit“ vor. Es ist doch völlig egal, wer Greta Thunberg ist, wer sie auf diese Bühne gestellt hat und ob sie vielleicht eine Krankheit hat oder nicht. Es braucht auch nicht hunderte Artikel, die sich mit ihrer Person beschäftigen und ob sie das alles aus eigenem Antrieb macht, ob sie vielleicht unter dem Rummel leidet, instrumentalisiert wird. Tausende Schüler protestieren in der ganzen Welt. Ihr Thema ist ein ernst zu nehmendes! Wollen sie alle wirklich nur gerne freitags schulfrei haben? Glücklicherweise befassen sich inzwischen auch immer mehr Artikel mit dem tatsächlichen Anliegen der Bewegung.

Welche Zukunft wünschen wir uns eigentlich?

Welche Zukunft wünschen wir uns eigentlich?

Ganz abgesehen davon bin ich der Meinung, dass es ein absolut lebenspraktischer Demokratie-Unterricht ist, eine weltweite Protestbewegung zu organisieren. Es erfordert Vernetzung, Koordination, Planung und Medienkompetenz. Politik-Lehrer könnten das aufgreifen, vorbereiten, diskutieren und dann mit den Schülern gemeinsam demonstrieren… An anderer Stelle wird doch immer Medien- und Demokratiebildung gefordert. Das hier ist praktische Anwendung. Die Gründe sind berechtigt, es läuft nicht nur in Sachen Klima einiges schief in unserer Welt und die Folgen erleben wir bereits und das ist nur ein Vorgeschmack. Es ist keine Lappalie, kein bloßer Mode-Trend, es geht ums Ganze. Wir neigen dazu, das Ausmaß zu verdrängen, das Problem kleinzureden. Jeder kann sich dabei an die eigene Nase fassen. Ich nehme mich da nicht aus.

Leider taugt unser aktueller Lebensstandard noch nicht dazu, klimaneutral und ressourcenschonend zu leben. Die Wegwerf-Kultur ist einfach zu lukrativ. Die Wirtschaft hat sich darauf spezialisiert immer neu zu produzieren. Reparieren und Wiederverwenden wird nicht honoriert oder ist schon in der Herstellung der Produkte nicht eingeplant. Ich bin der Ansicht, dass sich das nicht von selbst lenkt. Das muss auch politisch gewollt sein. Und ist es nicht wie ein schlechter Witz, dass es sich vor nur etwa zwei Generationen noch recht umweltverträglich leben ließ? In einem Wimpernschlag der Geschichte hat sich das geändert und ich glaube, die Veränderung hin zu einer nachhaltigeren Zukunft sind im Gange, nur eben noch zu langsam. In zwei Generationen wird man mit bedauerndem Kopfschütteln auf uns zurückblicken – wenn wir Glück haben und die Menschheit einigermaßen unbeschadet durch diese Krise kommt.

Eine Zukunft brauchen wir alle

Natürlich kann man als einfacher Bürger mitreden. Man kann einerseits demonstrieren, freitags gleich mitlaufen, denn Zukunft geht uns alle an und ich meine, die Proteste zeigen Wirkung. Noch mehr müssen wir aber unser Verhalten ändern und nicht nachhaltige Produkte und Dienstleistungen abstrafen, indem wir Alternativen finden. Meiner Meinung nach haben wir nicht genug Zeit, auf die oft versprochenen wundersamen Erfindungen für eine naturverträgliche Zukunft zu warten. Erstmal müssen wir den beschwerlichen Weg gehen und Untaugliches, nicht Zukunftbringendes vermeiden, sonst lohnt sich für die Industrie die Entwicklung der versprochenen Wundermittel finanziell gar nicht. Andererseits können wir glücklicherweise mitbestimmen. Im Mai sind Europawahlen und dass das Europaparlament durchaus positive Impulse setzen kann, zeigen jüngte Offensiven gegen Plastikmüll. Das ist ein Anfang. Und wenn wir uns genau überlegen, wen wir in dieses Parlament wählen und wenn wir überhaupt zur Wahl gehen. Neutrale Entscheidungshilfen gibt es: Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet ab 3. Mai 2019 wieder einen Wahl-o-Mat zur Europawahl an.

Wie seht ihr die Fridays for Future?

Den Artikel teile ich wie gewohnt mit unserer nachhaltigen Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben.“ Über das InLinkz-Formular könnt ihr euren Blogpost, der sich mit Nachhaltigkeit im Alltag befasst, einfach selbst verlinken. Sollte es technische Probleme geben, sagt uns einfach per Kommentar Bescheid. Gastgeberin ist derzeit Daniela von Greenbird.

Weil es eine tolle Aktion ist, die um Aufmerksamkeit für die Schülerproteste wirbt, verlinke ich den Post auch mit der Blogparade „Bloggers for Future“.

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Comments
13 Responses to “Freitage für die Zukunft: Wie unsere Gesellschaft mit #FridaysforFuture umgeht”
  1. Wie war! Du beschreibst die klassischen Abwehrmechanismen, wenn sich jemand nicht verändern will: schlecht und lächerliche machen, ignorieren. Hauptsache, ich muss bei mir nichts tun, sagt der „vernünftige“ Erwachsene. Umso wichtiger ist, dass die Proteste weitergehen.

    Gefällt 1 Person

  2. Alexandra Achenbach sagt:

    Danke für deine Gedanken zu Fridaysforfuture. Und du hast so recht! Mir tut es fast körperlich weh, was für absurde Diskussionen um einzelne Personen der Bewegung geführt werden. Oder dass den Kindern und Jugendlichen ihr Alter als Vorwurf ausgelegt wird, denn schließlich haben sie ja keine Ahnung und noch weniger Lebenserfahrung. Das Absurdeste ist doch, dass ja nicht mal echten Experten Gehör geschenkt wird. Wissenschaftler warnen seit Jahrzehnten ohne wirklich ernst genommen zu werden… mich lässt das alles vor allem wütend zurück! Und ich möchte die Menschen schütteln. Mit meinen Worten. Und ich freue mich sehr darüber, dass du bei #bloggersforfuture mitschüttelst ;-)!
    Alles Liebe
    Alex

    Gefällt 2 Personen

  3. Ein großartiger Artikel ist das, toll geschrieben! Ich finde es wunderbar, was Greta da angezettelt hat – und irgendwie ist es ja sogar gut, dass es die dummen Unkenrufer gibt, die abzulenken versuchen – denn dadurch wird die Welle nur umso stärker!
    Zum Thema „Eine Zukunft brauchen wir alle“: Kennst du schon die „Briefe-Aktion“ von Avaaz („Ein Brief für das Leben auf dieser Welt“)? Wenn nicht, da gibt’s bei mir im PS des aktuellen Posts einen Link dazu.
    Alles Liebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2019/04/fruhlingsmodus-teil-2.html

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    • Marlene sagt:

      Hallo Traude,
      lieben Dank für deine Worte – und danke auch, dass du aus den negativen Reaktionen noch das positive herausdrehst. Vielleicht hast du recht. Gar kein Widerstand, wäre Ignoranz.
      Ich werd mal bei deinem Artikel vorbeischauen, denn obwohl ich Avaaz mitverfolge, ist mir die Briefeaktion entgangen.
      Liebe Grüße,
      Marlene

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  4. turboscholz sagt:

    Langsam sollte auch der letzte Hinterbänkler verstanden haben, dass es vor allem die kommenden Generationen sind, die unter den Klimawandel leiden werden. Da finde ich es ganz schön anmaßend, wenn einige Politiker meinen, man solle irgendwelche Entscheidungen die Umwelt betreffend doch lieber den „Profis“ überlassen. Wir leben heute nicht mehr fünf vor zwölf sondern zwei nach zwölf, was den Klimawandel angeht. Und genau dies haben wir auch solchen „Experten“ zu verdanken, deren Ziel es immer war, maximales Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur zu produzieren.

    Gefällt 1 Person

    • Marlene sagt:

      Ja, mir geht es da genau wie dir! Ich bin auch echt froh, dass es mit den Freitagen jetzt eine Bewegung gibt, die die Leute bloß stellt und zum Hingucken zwingt! Man muss sich mal überlegen, wie man in ein paar Jahrzehnten auf diese Profitgier und unseren Konsum zurückschauen wird…!

      Gefällt 2 Personen

  5. Monika sagt:

    Toll daß es Fridays for Future gibt, wenn wir es schon nicht packen den Klimawandel einzudämmen, dann müssen wir froh sein, daß es zumindest die Jugendlichen versuchen. Dieses sich auf die Schulpflicht beziehen ist doch so etwas von daneben. Und die Aussagen von Politikern, daß man solche Fragen den Spezialisten überlassen soll zeugt von Unwissen und Inkompetenz. Von diesen blankpolieren Politikern lassen wir unser Recht auf Zukunft nicht nehmen.
    Viele umwelt-liebe Grüße
    Monika

    Gefällt 1 Person

    • Marlene sagt:

      Liebe Monika, danke für deinen Kommentar – und du hast recht, wenn es nun mal die Zukunft aller betrifft, kann man sie nicht nur den sogenannten Spezialisten überlassen!
      Ganz liebe Grüsse,
      Marlene

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