Wann werden Kinder grausam?

St.Martins Erbe

Gestern war St. Martinstag. Ein Fest der Nächstenliebe, Barmherzigkeit und des Mitgefühls.Der Abend der Laternenumzüge.

Wie es in den meisten Kindergärten üblich ist, wurden auch in unserer Waldorfkrippe dem Anlass entsprechend Laternen mit den Kindern zusammen gebastelt. Die Laternen sind mit Draht an Holzstöcken befestigt, welche die Gruppe zuvor gemeinsam im Wald gesammelt hat. Ich finde unsere Laterne wunderschön.

Als wir aber gestern Abend zum Laternenumzug der Kirchgemeinde hier im Ort kamen, musste ich lernen, dass es in der Dimension „Selbst gebastelt“ anscheinend große Differenzen gibt, dass Schönheit hier wichtig ist und bereits Laternen gesellschaftskonform sein müssen.

Mein 2 Jähriger, der sich den ganzen Tag auf seinen ersten Laternenumzug gefreut hatte und seine Laterne stolz wie Oskar vor sich her trug, wurde hier ausgelacht für seine Laterne, die anscheinend nicht der Norm entsprach. Immer wieder zeigten andere Kinder auf ihn, riefen „Was hast Du denn da für ein hässliches Ding?“ oder „Die brennt doch nie im Leben!“ (in unsere Laterne ist unten ein kleines Windlicht geklebt). Betroffen musste ich erleben, wie mein Sohn traurig auf seine Laterne schaute, die Welt nicht verstand und seine Laterne auf einmal nicht mehr halten wollte. Am liebsten hätte ich ihn und seine Laterne geschnappt und auf dem Absatz kehrt gemacht – zurück in unsere heile Waldorf-Welt, in der es kein Anders-Sein gibt, weil niemand je definiert hat, was „normal“ ist.

DIY LaterneJa, ich weiß. Kinder können grausam sein. Aber ich frage mich: Wann fängt das an? Ist es ein natürlicher menschlicher Zug, dass wir uns mit anderen vergleichen, um jeden Preis dazu gehören wollen und jeden misstrauisch begutachten, der etwas anders macht? Oder ist das Teil unserer Sozialisation und es ginge auch anders, wenn wir denn wöllten?

Meine 3-jährige Nichte zum Beispiel malt zu Hause wunderschöne Prinzessinnen und Prinzen, im Kindergarten aber nur „Krikel-Krakel“, weil die anderen Kinder das auch so machen und sie nicht auffallen will.

Letztens auf dem Spielplatz wurde mein Sohn wegen seiner roten Mütze verspottet. Die größeren Jungen nannten ihn „Tussi“ und wollten nicht mit ihm spielen.

Mein 2-jähriger versteht das noch nicht. Er liebt seine rote Mütze und überhaupt alle Farben. Aber die Verwandlung wird kommen und zwar schon bald, wie ich gestern beim Laternenumzug sehen musste. Bald wird er realisieren, dass es einen Unterschied zwischen miteinander lachen und auslachen gibt. Er wird sich vergleichen und anpassen – wenn ihn der Spott zu hart trifft.

Dazugehörigkeit gibt Kindern Sicherheit. Kinder strapazieren Rollenbilder oft bis zum äußersten, weil sie so wissen, was von ihnen erwartet wird. Aber Rollenbilder werden von der Gesellschaft, von uns geschaffen. Und vielleicht sollten wir wieder mehr Wert auf Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl legen, als auf Schönheit, Einheitlichkeit und Angepasstheit.

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Comments
24 Responses to “Wann werden Kinder grausam?”
  1. perfektmami sagt:

    Ach, es tut weh, deinen Bericht zu lesen, liebe Marlene! Auch wenn es nichts ändert an eurem gestrigen Erlebnis: Ich finde die Laterne deines Sohnes toll! Und bestimmt würde mir auch seine rote Mütze gefallen und mein Sohn trug als Vierjähriger noch violette Mützen und schlief in Lillifee-Bettwäsche. Jetzt – als Kindergärtler – hat er sich entschieden, „buebiger“ (also mehr wie ein Junge) zu werden und das schützt ihn bestimmt vor Spott. Ich möchte dich ermutigen, deinem Sohn deine Werte mitzugeben und ihm den Rücken zu stärken. Ich glaube daran, dass unsere Kinder lernen können, wo sie sich anpassen und wo sie für ihre Überzeugungen einstehen wollen. Bei meiner 7jährigen Tochter erlebe ich da schon ganz erstaunliche Dinge! glg, Mirjam

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    • Marlene sagt:

      Liebe Mirjam,

      ich war’s diesmal gar nicht, die geschrieben hat, sondern Antonia, die auch mit für den Huhnblog schreibt. Ich finde deine Beobachtung interessant, dass sich dein Sohn dann im Kindergarten entschieden hat, sich jungenhafter zu geben. Das hilft bestimmt sehr. Bei meiner Tochter konnte ich umgekehrt beobachten, dass sie seither noch rosaer und prinzessinaffiner ist als vorher! Die Rollenmodelle sind klar vorgegeben, aber wahrscheinlich ist es in dem Alter auch sehr wichtig, sich einzusortieren und zugehörig zu fühlen. Andere Kinder sind ja eine Schule fürs Leben. Vielleicht lernt man zeitig, selbstbewusst mit diesem anfänglichen Mobbing umzugehen, um nicht Opfer zu werden. Das hoffe ich zumindest…!

      Ganz liebe Grüße,
      Marlene

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    • Antonia sagt:

      Danke liebe Mijam für deine aufmunternden Worte! (Bin zwar nicht Marlene, sondern ihre Schwester Antonia, aber das macht nix). Ich finde gar nicht, dass mein Sohn unbedingt „buebiger“ werden muss. Er spielt mit Autos, liebt Bagger und so Kram – wen kümmert da eine rote Mütze? Aber die Gesellschaft fordert irgendwie das Gesamt-Jungs-Paket. Ich hoffe, ich krieg das hin mit der Vermittlung der richtigen Werte, dem Rücken-stärken und so. Man lässt sich ja selbst auch so schnell verunsichern…
      Deine Antwort macht aber Mut, danke und liebe Grüße, Antonia

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      • perfektmami sagt:

        Entschuldigt bitte, ich war mir gar nicht bewusst, dass es zwei verrückte Hühner gibt! Aber umso besser – je mehr Verrückte sich gegen eine allzu konforme Welt stellen, desto einfacher wird es doch :-). Ich finde die Kommentare unter diesem Beitrag auf jeden Fall sehr ermutigend. lg, Mirjam

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      • Marlene sagt:

        Hihi, Verrückte Hühner gegen festgefahrene Verhaltensmuster, eine schöne Vorstellung! Vielen Dank, dass du dabei bist und deine Erfahrungen mit uns teilst, das hilft sehr!

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  2. shorty1974 sagt:

    Ja Kinder können grausam sein, zu einem gewissen Teil müssen sie es wohl auch in der heutigen Welt sein… so traurig es ist. Doch ich fürchte ein großer Teil dieser „Grausamkeit“ liegt auch in der Erziehung. Meine Tochter ist 4 und geht in den gemeindlichen Kindergarten. Auch sie hat schon ihre Konfrontationen mit anderen Kindern hinter sich. Doch ich versuche dies nach Möglichkeit mit ihr zu klären (sprechen und erklären warum die anderen dies und das machen hilft ihr sehr das ganze zu verarbeiten).
    Letztens hab ich dann beim abholen mitbekommen wie ein kleineres Kind von einem fast 6 jährigen für sein gemaltes Bild aufgezogen und gehänselt wurde… was macht meine Tochter… sie geht zu dem Großen und sagt ihm ins Gesicht: „Du hast früher auch viel scheußlicher gemalt und jetzt gefallen mir deine Bilder auch nicht, aber ich ärgere dich damit nicht!“, dann dreht sie sich zu der Kleinen um und sagt: “ Denk dir nix, dir muss dein Bild gefallen und nicht dem Dummkopf…“. In diesem Augenblick war ich so stolz auf meine Tochter das ich fast geplatzt wäre^^.
    Ich bin mir sicher, das es zu viele Eltern gibt die keine Zeit (vielleicht zum Teil auch keine Lust) für ihre Kinder haben. Eltern sind einfach in den ersten Jahren die Bezugsperson und der Lehrer Nummer eins. Wenn ich mich aber umschaue, so werden die Eltern bei immer mehr Kindern durch KITA und Co ersetzt… mich persönlich stimmt der Trent sehr traurig…

    Schade das deinem Kleinen dann der Umzug keinen Spaß mehr gemacht hat… 😦 Aber Kinder vergessen auch schnell und nächstes Jahr gibt es wieder einen neuen Umzug 😉

    LG

    P.J.

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    • Antonia sagt:

      Das ist wirklich eine tolle Geschichte von deiner Tochter! Du kannst so stolz auf sie sein und ich denke, Du hast alles richtig gemacht, wenn Du solche mutige und engagierte Kinder der Welt geschenkt hast. Wenn mein Sohn sich nur ansatzweise so gut entwickelt, bin ich mehr als zufrieden.
      Aber tatsächlich kommt eben viel von den Eltern selbst. letztens habe ich mit meinem Sohn zusammen Weihnachtsgrußkarten gemalt. Die sahen eben so aus, wie wenn ein 2-jähriger malt. Mein Mann hat sie lange betrachtet und mich dann skeptisch gefragt, ob ich die wirklich verschicken will. Da dachte ich auch: „Was erwartest Du denn?“ Unser Sohn hat sich Mühe gegeben und wenn ein Kleinkind einen Tannenbaum malt, sieht das eben so aus und man freut sich darüber! Basta!

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  3. Eine der wichtigsten Aufgaben für mich als Mutter sehe ich genau darin, meinen Kindern Selbstvertrauen zu geben und sie zu stärken. Dann werden sie ihre eigene, gute Mischung aus Anpassung und eigenem Weg finden. Denn Dummköpfe, die ihr eigenes Selbstwertgefühl daraus ziehen, andere nieder zu machen, werden sie leider ihr ganzes Leben lang treffen – im Kindergarten, in der Schule, in der Arbeit…
    Chapeau für Deine 4jährige, shorty1974! Da kannst Du ganz schön stolz auf sie sein!!!

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  4. Marlene sagt:

    Eigentlich voll traurig, wenn nur noch Standardkomforme Supermarktlaternen und dunkelblaue Mützen mit Traktor drauf akzeptiert werden. Ich denke, dass wir als Eltern diese gesellschaftlichen Standards so vorgeben. Und leider bleibt es ja nicht nur bei den Klamotten und den Laternen. Geht ja dann mit Hobbys und Interessen weiter…

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  5. Traurig traurig. Und es wird mit zunehmendem Alter leider nicht besser.
    Meine damals 10jährige Tochter wurde von ihren Schulkameradinnen ausgelacht, weil sie kein Bustier trägt. Schliesslich sei man mit 10 Jahren in der Pubertät und dann müsse man sowas tragen.
    Grrrrrr….. inzwischen ist sie fast 12 und trägt immer noch keins (Wahrscheinlich wird sie nie eins tragen- schon allein aus Protest ^^). Sie hat sich durch vergangene Mobbereien ein ziemlich dickes Fell zugelegt und Gott sei Dank gelingt es ihr, über die blöden Sprüche der anderen nur noch zu lachen oder die Augen zu verdrehen.

    Wichtig ist, dass die Kinder unbedingten Rückhalt aus der Familie bekommen. Man muss seine Freunde nicht in der Schule haben. Ein oder zwei feste Freundschaften ausserhalb helfen über die schlimmsten Zeiten hinweg. Ich spreche aus Erfahrung.

    Und woher es kommt? Nicht einfach zu sagen. Gruppenzwang? Profilierungszwang? Und Eltern, die solches Verhalten vlt nicht mitbekommen, oder wenn sie es mitbekommen, auf die leichte Schulter nehmen?
    Dazu fällt mir ein Junge ein, mit dem meine Tochter immer wieder Probleme hat. Er malte vor zwei Jahren mit Kreide Herzen auf die Strasse und schrieb die Namen von für ihn möglichst ätzenden Pärchen rein. Anstatt dass seine Mutter ihn aufforderte aufzuhören gab sie ihm Tipps, was er noch schreiben könnte. Da wundert mich dann gar nichts mehr.

    Ich wünsche euch alles Gute, und dass der Kleine weiter fleissig bastelt und sich das nicht vermiesen lässt. Und rote Mützen sind für Jungs absolut in Ordnung. Daumen hoch! Kopf hoch! *drück drück*

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    • Marlene sagt:

      Danke für die lieben Worte, es gibt mir Hoffnung, dass deine Tochter sich so gut behaupten kann. Ich musste gleich an meine Schulzeit denken, wo ein Mädchen zwar nicht für ihr nicht vorhandenes Bustier (vielleicht ist es bei einzelnen Mädels nötig, bei der Mehrheit wohl eher nicht!), abed für ihre unrasierten Achselhaare gemobbt wurde (noch so ein Thema!). Deinen Tipp mit den guten Freunden außerhalb finde ich sehr hilfreich, denn da kann man als Eltern ja aktiv fördern und z.B. dafür sorgen, dass heben außerschulischen Aktivitäten noch genügend Zeit bleibt. Die Leute in der Schule kann man sich ja leider nicht aussuchen! Dein Beispiel von der Mutter. die selbst mitmacht, finde ich erschreckend. Woher soll es der Junge dann anders wissen? Liebe Grüße & Danke fürs Teilen
      Marlene

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      • Ach ja, unhygienisch sollte meine Tochter auch noch sein… weil sie kein Deo benutzt (Wozu denn, wenn man es nicht nötig hat?). Eigentlich ist es ja zum Lachen.
        Wir haben mit Mobbing (leider) schon früher Erfahrungen gemacht. Mein Ältester war auch ein Mobbing-Opfer. Schlecht im Sport (Motorik-Defizit), aber gut in der Schule… das ist immer eine gefährliche Mischung. Er hat es lange in sich hineingefressen und sich nichts anmerken lassen. Aber im Nachhinein spricht er darüber und ich merke, dass er erst heute, in der Uni, das Ganze so richtig hinter sich lassen kann, weil er dort Leute gefunden hat, die auf seiner Wellenlänge sind.
        Gut, jetzt im Fall von deinem Kleinen von Mobbing zu reden, ist ja sowieso nicht zutreffend… aber wenn man bemerkt, dass so etwas losgeht ist es wichtig, so früh wie möglich zu intervenieren.

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      • Marlene sagt:

        Mensch, da habt ihr aber auch eine ganze Reihe Erfahrungen machen müssen! Als Eltern kann man ja leider auch nicht immer dazwischen gehen und ab einem bestimmten Alter verschlimmert man die Situation vermutlich nur. Aber man muss Selbstbewusstsein und Rückhalt geben (wie auch immer, klingt so einfach und logisch!). Icb glaube, so wie deinem Sohn geht es vielen. Wenn man endlich aus der Schule raus ist, findet man in der Ausbildung eher Gleichgesinnte, die einen akzeptieren wie man ist.
        Liebe Grüße!

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  6. merlanne sagt:

    Kinder können grausam sein, das war schon so als ich klein war und wird immer so sein. An was es liegt und wann das vergleichen anfängt, kann ich Dir nicht sagen. Ich habe aber festgestellt, dass Kinder, die Eltern haben, die auch ständig am „Vergleichen“ sind, das dann auch tun und andere als Aussenseiter stempeln, wenn es ihnen nicht „passt“ oder sich selber anpassen, weil es so „sein soll“. Von vergleichen und Menschen in Kategorien einteilen halte ich nicht viel. Ich war auch immer eher „Aussenseiter“ als Mitläufer und meine Tochter steht mir darin in nichts nach. Sie war nie Prinzessin und hat das Gespött, auch wenn es manchmal sehr weh tat, recht gut eingesteckt. Wenn sie es dann mal nicht ausgehalten hat und mitschwamm, ging das nicht sehr lange und sie wollte wieder „sie selbst“ sein, mit der Aussage „wenn sie mich nicht so mögen wie ich bin, dann sollen sie es eben lassen“. Mit der Zeit hat sie die Freunde gefunden, die zu ihr passen. Dein Sohn wird es bestimmt auch so handhaben und wird mit der Zeit vielleicht lernen, dass anders sein auch recht cool sein kann.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

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  7. Mir gefällt die Laterne sogar ausgesprochen gut!

    Ich denke, dass das Ausgrenzen von anderen Kindern durch Kinder in Wahrheit zu Hause anfängt, bei den Eltern, die sich selbst so verhalten. Woher sollten es die Kinder denn sonst lernen wenn nicht von den Eltern?

    Wenn Mütter und Väter offen über andere Menschen urteilen um sich selbst zu erhöhen, dann lernen die Kinder dieses Verhalten und dann kommt sowas raus.

    Wie traurig ist das denn…

    lg
    Maria

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    • Marlene sagt:

      Hallo Maria, ich glaube, da hast du recht. Man sollte sich seine Vorbildrolle als Eltern immer bewusst machen, manvhe Dinge vermittelt man auch unbewusst. Frage mich, wann das wichtigste Zeitfenster vorbei ist, sowas zu vermitteln. Mit drei? Liebe Grüße, Marlene

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      • Hallo Marlene!

        Ich glaube es ist in der Pubertät für einige Zeit geschlossen, aber grundsätzlich ganz vorbei ist es nie.

        Es ist nur so, dass ab dem Zeitpunkt, wo unsere Kinder im Kindergarten und in der Schule mit so vielen anderen in Kontakt kommen, natürlich auch andere Einflüsse dazu kommen.

        Allerdings wie weit sie sich dadurch selbst beeinflussen lassen, hängt auch wieder von der Haltung der Eltern gegenüber Einflüssen von außen ab. Wenn die Eltern eine eigene Linie haben und diese auch gegen möglichen Widerstand vertreten, können die Kinder auch erkennen, dass man zu seiner eigenen Meinung stehen kann ohne sich zu verbiegen.

        Ich denke, das ist etwas sehr wichtiges, was wir unseren Kindern mitgeben können.

        lg
        Maria

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      • Marlene sagt:

        Liebe Maria,
        Da bringst du wie immer die Sache auf den Punkt. Die Verantwortung als Eltern ist groß, ich fürchte nur, was man selbst nicht gut kann – ob es nun Kritik akzeptieren ist oder seine Meinung auch gegen den Strom zu verteidigen, dass kann man auch seinen Kindern nicht beibringen…
        Sich möglicher Probleme bewusst werden, muss der erste Schritt sein.
        Ganz liebe Grüße und Danke für die klugen Worte!
        Marlene

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  8. gruenzwerg sagt:

    Die Laterne ist wunderschön! Gottsei dank gibt es diese Laternen auch noch‘ die nicht im Dicounter als Bastelpaket wahlweise für Jungs oder Mädchen verkauft werden!
    Wir hatten dieses Jahr ähnliches mit unserem Holzstab und Teelicht gegen bunt blinkenden Stab mit Birnchen daran. Im ersten Moment hat die Zwergin auch gezögert, nach ein paar Minuten mit ihrem Licht hat sie mir dann erzählt, dass die Stäbe ja schön sind, aber Plastik will sie ja nicht…. ich denke, manchmal muss man lernen, dazu zu stehen anders zu sein… und manchmal muss man wohl auch mit der Masse schwimmen, um wieder etwas Kraft für den nächsten Schwimmzug gegen den Strom zu schöpfen. Die Zwergin hat am Ende des Abends auf jeden Fall vergessen, dass es diese Diskussion überhaupt gab und war megastolz auf sich und ihren Gang mit echter Kerze. Ich hoffe, dein Sohn konnte sich auch wieder mit seiner Laterne anfreunden- geht doch einfach die Tage nocheinmal und bewundert, wie schön sie leuchtet…. ohne all die anderen drum herum, dann kann er sein Werk ganz allein bewundern und wirken lassen!
    Viele Grüße von der Zwergenmama

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    • Antonia sagt:

      Danke für deinen lieben Kommentar. Diese plastik-bling-bling Lichter sind echt ein Phänomen. Selbst mein Mann hatte beim Laternenumzug kurz Hemmungen das Feuerzeug zu zücken, weil ihn die vielen Plastiklichter das Gefühl gaben, man kann einem 2 jahre alten Kind doch keine Laterne mit ECHTEM Feuer in die Hand drücken (dabei weiss ich aus meiner eigenen Kindheit, dass gerade durch das Feuer die Laterne zum heiligen Gral wurde – nie hätte ich gewagt, sie fallen zu lassen).
      Der Opa hat auch schon versprochen mit unserm Sohn noch einen Laternenumzug zum 1.Advent zu machen, quasi um die Zeit der Lichter einzuläuten.
      Die Laterne ist schon wieder ganz populär, witd mehrfach am Tag begutachtet und soll am besten immer mit, wenn das Haus verlassen wird.
      Das Trauma ist also kleiner als befürchtet 🙂

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    • Marlene sagt:

      Du hast recht mit dem Kräftesammeln fürs gegen den Strom schwimmen – alles andere würde auch bedeuten, dass wir von unseren Kindern übermäßige Beherrschung verlangen. Und natürlich locken die blinkenden LED-Laternen!

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  9. SK sagt:

    Tja, gute Frage, wann dieser Gruppendruck anfängt. Das Vergleichen und Abgrenzen steckt wohl biologisch drin (der Mensch ist halt ein Affe, also ein Rudeltier) und wird halt durch das kulturelle Umfeld verstärkt oder gemildert. Selbst bei uns der der DDR, wo alle gleich waren wurde in der Schule gecheckt, wer Westfernsehen gucken konnte und wer die neuesten Westsachen vorweisen konnte. Ich denke, es geht auch meist nicht um die vordergründigen roten Mützen oder selbstgebastelten Laternen, sondern um die Stellung in der Hierarchie des Rudels. Als Mathematiker werfe ich jetzt mal die Normalverteilung in den Ring und bastele dazu etwas Küchenpsychologie: das „Rudel“ bewegt sich in einem bestimmten Rahmen (Standardabweichung) um den Erwartungswert. Liegt jemand außerhalb, bleiben ihm zwei mögliche Rollen: der Looser oder der coole Typ. Für die Masse ist es natürlich immer leichter zu ertragen, wenn der Außenseiter der Looser ist und nicht der Coole, sonst wär man selber ja uncool. Mit inzwischen vierzig Jahren habe ich mich von dem Kindheitsknacks erholt und blicke mit steppenwolfscher Verachtung auf die Masse derjenigen, die sich einem (materiellen oder verhaltensmässigen) Gruppenzwang hingeben um zu etwas dazuzugehören. Wie man dieses Über-den-Dingen-stehen aber einem Kind beibringt, kein Plan… Vielleicht: wenn das Kind mehrere (neudeutsch) Peergruppen hat und nicht grad in allen ausgelacht wird, dann fällt es hoffentlich leichter, Probleme in der einen Gruppe durch Erfolge in der anderen zu kompensieren.

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    • Marlene sagt:

      Hallo SK,
      Ich finde dein Ergebnis aus Mathematik und Küchenphilosophie ganz schlüssig. Leider ist jeder nicht automatisch cool. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass das Mobben aufhört, wenn man nur Selbstbewusst und mit sich selbst zufrieden ist – was allerdings in dem Moment, wo man schon ausgegrenzt wird, nur schwer zu lernen ist. Deinen Rat mit verschiedenen Freundeskreisen finde ich sehr gut und werde mal versuchen, als „Elter“ auf sowas zu achten!

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