Die Qual der Wahl: Wie soll unsere Zukunft aussehen?


Als es beim letzten Mal so weit war, ist nicht mal jeder zweite hingegangen. Die Rede ist von der Europaparlamentswahl 2014. Da lag die Wahlbeteiligung in der EU im Schnitt bei 40 Prozent – in Belgien zwar bei knapp 90 Prozent, in der Slowakei dafür nur bei 13 Prozent. In Deutschland waren es 48 Prozent. Ich finde, wer nicht hingeht, darf sich auch nicht beschweren. Also: hingehen am 26. Mai 2019, damit wir meckern können 😉

Nur wen?

Parteien stehen genug zur Auswahl, aller Coleur und Extremitäten. Entscheidender als die plakativen Wahlplakate finde ich den Wahl-o-mat. Für den beantworten alle Parteien, die zur Wahl stehen (in Deutschland 41 Parteien) die genau gleichen Fragen. Wenn ihr sie auch beantwortet, bekommt ihr eine Übersicht, mit welcher Partei eure Meinung am ehesten übereinstimmt. Man kann sich aber auch alle Antworten der Parteien als PDF herunterladen.

Und dann könnt ihr am 26. Mai mitbestimmen, ob ihr lieber Zukunft A (mit einer Auswahl mir wichtiger Themen) wollt…

    Es soll keine verbindlichen Bürger-Entscheide in der EU geben.
    Die EU soll sich auch keine höheren Ziele beim CO2-Ausstoß setzen.
    Bio-Landwirtschaft soll in der EU nicht vorrangig gefördert werden.
    Private Seenotrettung unterstützt die EU nicht.
    Den Euro schaffen wir wieder ab.
    Der Anbau genetisch veränderter Pflanzen wird erlaubt.
    EU-Bürgerinnen und -Bürger, die in ein anderes EU-Land ziehen, sollen dort nur eingeschränkt Sozialleistungen erhalten.
    Für Entwicklungshilfe geben wir weniger Geld aus.
    Für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von EU-Unternehmen setzt sich die EU nicht ein.
    In anderen EU-Staaten sollen weiterhin Atomkraftwerke betrieben werden dürfen.
    Die Europäische Union soll Zuwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern nicht fördern.
    Die EU soll Mitgliedsstaaten nicht finanziell bestrafen, die die Presse- und Medienfreiheit verletzen.
    Die finanziellen Hilfen für wirtschaftlich schwächere Regionen in der EU sollen reduziert werden.
    In der medizinischen Forschung sollen Tierversuche weiterhin erlaubt sein.
    Asylsuchende sollen in der EU nicht proportional auf die Mitgliedsstaaten verteilt werden.
    Alle Asylsuchenden, die versuchen über das Mittelmeer in die EU zu gelangen, sollen in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.
    Die Fangmengen für die europäische Fischerei sollen nicht stärker begrenzt werden.
    Es sollen wieder dauerhafte Grenzkontrollen zwischen den Mitgliedsstaaten der EU stattfinden.
    Jugendliche sollen ab 16 Jahren bei der Europawahl nicht wählen dürfen.


… oder Zukunft B (das genaue Gegenteil)? Oder vielleicht doch lieber Zukunft C (irgendwas dazwischen)?

Umweltthemen spielen bei dieser Wahl eine große Rolle.

Das schöne an Demokratie ist ja, dass man Einfluss nehmen kann, indem man zur Wahl geht. Bürgerentscheide wären auch eine Art von Einfluss. Petitionen ebenso. Auch Kaufentscheidungen sind ein Signal. Lobbyismus ist genauso eine Art von Einfluss nehmen. Bestimmte Arten von Geldflüssen sind Einflussnahme. Und auch das Verbreiten von nicht ganz richtigen Behauptungen ist eine Facette der Beeinflussung.

Für mich ist der Wahl-o-mat jedes Mal der Check, ob die Partei, die ich wählen würde, wirklich ähnliche Entscheidungen treffen würde wie ich selbst. Zum Thema Bürgerentscheide beschleicht mich ein ambivalentes Gefühl (siehe Brexit, siehe Lobbyismus, siehe Verbreitung von Halb- oder Unwahrheiten). Demokratie braucht Transparenz und verlässliche Information. Medienkompetenz. Zugang zu Wissen. Austausch. Eine angemessene Streitkultur. Respekt. Geduld. Und dann gerne auch Bürgerentscheide, nur sehe ich derzeit einige der oben genannten Punkte nicht erfüllt.

Wie macht ihr das? Und – geht ihr wählen?


Die Blogparade #DHMDemokratie

Das Deutsche Historische Museum lädt unter dem Hashtag #DHMDemokratie zur Blogparade „Was bedeutet mir die Demokratie“ ein. Im Museum selbst gibt es Ausstellung, Labor und Veranstaltungen zum Thema. Inzwischen sind schon viele interessante Blogposts eingegangen. Ich möchte meinen hiermit beisteuern.

Die Linkparty „einfach. nachhaltig. besser. leben.“

Unsere grüne Linkparty „einfach. nachhaltig. besser. leben.“ geht heute in Runde 33 und zum ersten Mal ist Brigitte vom Blog Kinderinfo Wien Gastgeberin. Bei der Linkparty müsst ihr nicht unbedingt über Politik und Demokratie nachdenken, obwohl ich gerade jetzt durchaus finde, dass beides den nachhaltigen Alltag gerade sehr beeinflussen kann. Willkommen sind alle Blogposts, die sich mit einem umweltbewussterem Lebensstil auseinandersetzen.

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Comments
7 Responses to “Die Qual der Wahl: Wie soll unsere Zukunft aussehen?”
  1. Birte sagt:

    Liebe Marlene,
    ich „hoffe“ mein Kommentar eben ist tatsächlich verloren gegangen durch Browserabsturz… sonst ist es jetzt doppelt. Klaro gehe ich wählen, steht schon dick im Kalender. Danke für Deinen Text als Erinnerung, wie wichtig es ist dieses Recht wahrzunehmen!
    Liebe Grüße
    Birte

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    • Marlene sagt:

      Liebe Birte,
      dein Kommentar war tatsächlich verloren gegangen, ich ärgere mich immer wahnsinnig, wenn mir sowas passiert, gut, dass du dem noch etwas Gutes abgewinnen kannst 🙂
      Ich freu mich, dass du wählen gehst!
      Warten wir mal gespannt das Ergebnis ab. Für mich ist es mehr denn je diesmal eine Wahl, die über grüne Themen entscheidet!
      Liebe Grüße,
      Marlene

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  2. Tanja Praske sagt:

    Liebe Marlene,

    ein ganz herzliches Danke für diese Gedanken zu #DHMDemokratie!

    Mal schauen, ob es mehr als 49 % werden, die wählen werden. Wenn nicht, darf nicht gejammert werden, dass genau einige von den grauenhaften Punkten, die du auflistest eintreten werden bzw. tatsächlich auf die Agenda von erstarkten Parlamentarieren in Brüssel gesetzt werden. Der Kelch geht nicht an uns vorüber, wenn wir inaktiv bleiben.

    Das ist auch einer der Beweggründe für die Blogparade, aufzurütteln und über Demokratie nachzudenken. Einige Teilnehmer gehen genau darauf ein, liebgewonnene Freiheiten werden als selbstverständlich angesehen, da sie vor langer Zeit erkämpft wurden. Eine Demokratie, ihre Struktur, erlaubt aber auch ihre Abschaffung, wenn die Menschen nicht acht geben. Diese Gefahr wird realer, auch wenn sie jetzt nicht unmittelbar besteht, aber Fundamente pro Demokratie gerade abgetragen werden. Können wir das aufhalten? Jedenfalls nicht, wenn wir inaktiv bleiben. Da hilft es zu wählen, es hilft, wie du es tust, genau darauf hinzuweisen und vielleicht darüber den ein oder anderen zu animieren, auf jeden Fall zu gehen und für demokratische Grundeinstellungen einzustellen. Sehr idealistisch jetzt von mir formuliert.

    herzlich,
    Tanja von KULTUR – MUSEUM – TALK

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    • Marlene sagt:

      Liebe Tanja,
      danke für deinen langen Kommentar, ich seh der Wahl wirklich mit Spannung, auch mit gemischten Gefühlen entgegen. Umweltthemen werden gerade von allen Seiten besonders in den Fokus gesetzt. Klimawandel eignet sich offenbar prima, eine Art Verschwörungsttheorie zu vermuten, dabei sind sich 97 % der Wissenschaftler auf der ganzen Welt einig, dass der Klimawandel gerade stattfindet und menschgemacht ist. So viel Konsens gibt es sonst bei keinem Thema. Aber der Mensch ist flexibel, man kann auch davor die Augen verschließen und behaupten, dass stimmt alles gar nicht. Wie gesagt, ich bin gespannt!
      Und ich habe gesehen, dass bei der Blogparade schon ganz tolle Blogposts zusammengekommen sind. Jetzt brauche ich nur noch viel Zeit zum Mitlesen!
      Viele liebe Grüße,
      Marlene

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  3. SK sagt:

    Was wirklich schade ist, daß (auch) ich mein Bauchgefühl mittels Wahlomat verifiziere statt eine informierte Entscheidung auf Basis der tatsächlichen Parteienkommunikation zu treffen. Leider wirken die etablierten Parteien gerade wie Komiker und Sonnenborn/Semsrott von „Die PARTEI“ treten geradezu seriös auf. :-/

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    • Marlene sagt:

      Du hast recht, es ist ein enormes Problem, wenn man den öffentlichen Aussagen nicht mehr vertraut und quasi ins Parteiprogramm schauen muss. Das spricht für sich und zeigt ein grundlegendes Problem auf! Danke für diese Ergänzung!
      Viele liebe Grüße,
      Marlene

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  4. Ich gehe auf jeden Fall zur Wahl, das tue ich immer und habe auch vor das weiter zu tun. Allerdings beschleicht mich manchmal schon das Gefühl, dass ich mit meiner Stimme nicht allzu viel ausrichten kann. Ich habe schon so manches Vorhaben von unterschiedlichen Parteien mit meiner Stimme unterstützt, nur um Nachher gesagt zu bekommen, wenn die Partei denn an der Regierung beteiligt war, das sei nur ein Wahlversprechen gewesen und könne aus unterschiedlichen Gründen leider nicht realisiert werden. So etwas fördert nicht gerade das Vertrauen.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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