Willkommen im Wohlstand! – Und was wir Kindern so vorleben

Wohlstand

Letztens haben wir spontan eine alte Schrankwand, die keiner haben wollte, aber die irgendwie auch zu schade zum wegschmeißen war, an das „Willkommensbündnis Altentenburger Land“ gegeben, ein lockerer Zusammenschluss von engagierten Freiwilligen (ich bewundere das ja!), die Flüchtlinge nicht nur willkommen heißen, sondern ihnen auch noch Sachspenden für die neue Bleibe organisieren. Die Männer aus Eritrea konnten es nicht fassen, dass jemand so eine Schrankwand einfach kostenlos weggibt und waren so dankbar, dass sie gar nicht wussten, wie sie sich noch bedanken sollten. Dabei waren wir froh, dass die Schrankwand keinen Platz mehr wegnimmt und doch noch jemanden nützt. Da wurde mir mit einem Schlag deutlich, in welchem Wohlstand wir eigentlich leben. Willkommen in der Wohlstandsgesellschaft! (Zur Flüchtlingsproblematik hat Frau Landgeflüster übrigens einen aufrüttelnden Beitrag verfasst!)

Was leben wir Kindern vor?

Was wir selbst neu anschaffen, auswechseln, obwohl es noch funktioniert und neu kaufen, ist die eine Sache. Man könnte sagen, das kann ja jeder selbst entscheiden. Was wir aber meist vergessen, ist, dass wir mit jeder Handlung auch den Kindern um uns herum vorleben, was für uns „normal“ ist. Und sie werden uns später zum Vorbild nehmen.

Es macht einen Unterschied, ob wir ein kaputtes Spielzeug wegwerfen oder reparieren. Es macht einen Unterschied, ob wir jedes Mal beim Besuch des Neffen ein kleines Geschenk (das dann nach 2 Tagen unbeachtet in irgendeiner Kiste landet) mitbringen, oder vielleicht lieber gemeinsam etwas … malen, backen, basteln, spielen, unternehmen. Es macht einen Unterschied, wenn wir Kindern zeigen, dass man gebrauchte Sachen weggeben oder tauschen kann, statt wegzuschmeißen und neu zu kaufen.

Kaputte Spielsachen einfach mal reparieren - wie diese Puppe hier gerade genäht wurde. Sie hat nicht geweint.

Kaputte Spielsachen einfach mal reparieren – wie diese Puppe hier gerade genäht wurde. Sie hat nicht geweint.

Der Puppendoktor

Heute morgen ging bei dieser Puppe (Bild oben), die in der dritten Generation im Einsatz ist, eine Naht auf und der Puppenseitzer krähte sofort „Wir müssen das repareern!“. Gesagt, getan, jetzt hat die Puppe nicht nur eine geflickte Naht, sondern auch noch ein neues Höschen aus Stoffresten (übrigens eine schöne Möglichkeit, Stoffreste zu verwerten und an der Nähmaschine zu üben!). Wer das nicht selbst machen mag, kann sich solche „Patienten“, die es zwangsläufig in jedem Kinderzimmer gibt, ja für das Teddykrankenhaus oder den Puppendoktor (solche Aktionen veranstalten doch die meisten Krankenhäuser) aufheben. Ich könnte mir das Reparieren von Spielsachen auch als prima Alternative zum neu gekauften Weihnachtsgeschenk vorstellen.

Letztlich wird es jedoch am allerbesten sein, solche Reparaturarbeiten gemeinsam mit den Töchtern, Söhnen, Neffen, Nichten, Enkeln und Urenkeln zu machen. Dann verbringt man eine schöne Zeit zusammen und vermittelt, dass Dinge Wert haben.

Einfach und nachhaltig

Logo-EiNaBWeil das so schön einfach und nachhaltig ist und weil man es doch immer wieder so schnell vergisst, gebe ich diesen Post an unsere Linkparty „Einfach. nachhaltig. besser. leben.“ {EiNaB}, die bis 9. September noch bei Frederike im Blog „Zwischengeflecht“ stattfindet. Wer auch Beiträge zu nachhaltigen Themen verfasst hat, ist herzlich eingeladen, sie zu {EiNaB} zu geben.

Und weil es so gut passt, möchte ich den Post auch zu Marias Linkparty „fix it  – Reparieren ist nachhaltig #6“ geben. Den ganzen September lang kann man im Blog Widerstand ist zweckmässig Reparier-Beiträge einreichen.

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Comments
13 Responses to “Willkommen im Wohlstand! – Und was wir Kindern so vorleben”
  1. Antonia sagt:

    Und dann aber noch den Spagat schaffen, beizubringen, dass manche Dinge nicht reparabel sind. Dass Mama und Papa nicht alles retten können, sondern manches unwiderruflich verloren ist. Sehr schwierig, weil kaputte Dinge dann leider häufiger gebracht werden mit den Worten: „Mama, neues kaufen“ und nicht mit „Reparieren!!“ Wie bringt man sorgsamen Umgang besser bei?

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    • Marlene sagt:

      Gute Frage. Sorgsamen Umgang bringt man vielleicht bei, indem man a) Reparaturen nicht sofort macht, sondern z.B. für bestimmte Anlässe aufhebt (Wochenende, Geburtstag, Weihnachten,…) – dann zahlt sich pfleglicher Umgang doch irgendwie aus oder b) was irreparabel kaputt ist (und das gibt es ja auch häufig, …) wird nicht (sofort) ersetzt.

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  2. Dalia sagt:

    Ich habe das ja eher von meiner Oma als meinen Eltern gelernt, die oft Sätze mit: „Damals im Krieg…“ begonnen hat. Ich habe auch eine für meinen Mann unverständliche Beziehung zu Elektrogeräten, die repariert werden bis es wirklich nicht mehr geht. Daher auch der Mixer aus den 70er Jahren in meiner Küche. Ich denke man bringt seinen Kindern am besten von Anfang an Wertschöpfung bei. Lieber etwas richtig solides, reparierbares kaufen auch wenn es etwas mehr kostet, und vor allem nur Dinge kaufen, die man wirklich braucht. Und je multifunktionaler desto mehr Platz und desto mehr Geld für Urlaube. Am liebsten war mir doch immer Spielzeug, auf das man alles mögliche projizieren konnte, ob das nun Puppen oder Lego war.

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    • Marlene sagt:

      Hallo Dalia, du triffst es wirklich genau: Wie du von deiner Oma (ich auch, meine erzählte mir immer mit wie wenig Spielzeug sie früher auskommen mussten-und dass sie es z. T heute noch hat, was für pfleglichen Umgang damit spricht) geprägt wurdest, prägen wir heute auch Kinder – und es müssen nicht nur die eigenen sein. Deiner Ratschlägen kann ich nur zustimmen! liebe Grüße, Marlene

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  3. Toller, toller Bericht.
    Prima.

    Werden öfter vorbeischauen.
    Grüße und weiter so.

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  4. wo ist europa? unser europa, vertreten durch die muppets (wie sie obama gerne nennt) ist inhuman und unsolidarisch, innen- und aussenpolitisch völlig überfordert. eine jämmerliche grossmacht, die keinen kollektiven willen zeigt, im mittleren osten politisch tätig zu werden, dort wo zentrale ursachen für die flucht liegen, in krieg und zerstörung, im terror des islamischen staates, in kollabierenden ländern wie dem irak und syrien. wir erleben dort den beginn einer völkerwanderung in einer dichte, die es vorher noch nie gegeben hat.
    mehr hierzu: https://campogeno.wordpress.com/2015/09/02/europas-unpolitik-und-die-fluechtlingskatastrophe/

    die deutschen sollten diese flüchtlinge freundlich willkommen heissen und dankbar sein, dass sie sich nicht genauso verhalten wie die kriegerischen und gewaltbereiten europäer bei ihren gewalttätigen eroberungen der neuen kontinente. vielleicht ist das schlechte gewissen die saat der angst? müssen wir jetzt für unsere vergangenheit bezahlen? mehr hierzu: https://campogeno.wordpress.com/2015/08/29/fluechtlingsansturm-wir-bezahlen-fuer-unsere-vergangenheit/

    wer ist ein (k)ein wunderbarer neger?
    https://campogeno.wordpress.com/2015/09/03/kein-wunderbarer-neger/

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    • Marlene sagt:

      Ich bin auch gespannt, wo sich das Ganze hinentwickelt in den nächsten Jahrzehnten. Alle Möglichkeiten, die Guten wie die Schlechten, stehen offen. Handeln zählt jetzt. Woher nehmen die Leute die Sicherheit, dass unsere Wohlstandswelt auch 2030 noch so existiert, wenn wir weiter machen wie bisher?

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  5. Hallo Marlene!

    Du sprichst da etwas an, was mir ganz besonders wichtig ist. Durch das schnelle neu kaufen statt reparieren geht der Wert der Ding verloren. Indem ich sie repariere, drücke ich Wertschätzung aus und es entsteht auch eine Beziehung.

    Eine Puppe in der dritten Generation ist einmalig! Schön, dass Du sie retten konntest und vielen Dank fürs Verlinken zu meiner Linkparty „fix it“

    lg
    Maria

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  6. Hallo Marlene,
    meine jüngste Tochter ist fünf und die Prinzessin unter ihren 3 + 3 (Patchwork) Geschwistern. Während meine Kinder, die mit mir und der Prinzessin zusammen leben, haushalten , sparen und
    reparieren kennen, wurde die Kleine bis zum letzten Geburtstag von der väterlichen Seite mit Geschenken in Form von Barbie, Baby Born und anderem vollgeschüttet. Jetzt scheint das Interesse an der Schwester und Tochter nachzulassen und es regnet nicht mehr so viel Geschenke. Beim Kind selber ist das noch nicht angekommen und so haben wir fast täglich Diskussionen, weil das Kind sagt : “ Ich brauch „. Das ist sehr anstrengend, führt mir aber auch
    mein “ Ich brauch“ nochmals vor Augen. Brauche ich wirklich eine App um abzunehmen oder brauche ich ein Buch in meinem Schrank obwohl ich es auch in der Bücherrei ausleihen kann. Bestimme Dinge die ich tatsächlich brauche ( neue Schuhe, denn das alte Paar hat Löcher und ich besitze tatsächlich nur zwei Paar Schuhe) schiebe ich vor mich her, weil ich die Ausgabe scheue. Auf der anderen Seite kaufe ich dann etwas , das zwar „nur“ 5 Euro kostet und nicht auf der Tatsächlich-Brauch-Liste steht. Da wundert es mich nicht, das es der Prinzessin schwer fällt zu verzichtet. Allein die Vorstellung ist für sie „gruselig“ .
    Dein Blogeintrag hat es mir auch noch mal vor Augen geführt, ich muss es vorleben .
    Danke.

    die Sammlerin

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    • Marlene sagt:

      Hallo liebe Sammlerin,
      ich denke, wir leben unbewusst Kindern vor, dass man vieles einfach schnell haben kann. Das mache ich auch, wenn ich gerade nicht darüber nachdenke. Dann kauft man mal schnell die gewünschten Bonbons oder ein kleines neues Buch, obwohl wir auch regelmäßig in die Bibliothek gehen und dort noch lange nicht alle Kinderbücher durchgearbeitet haben… Wahrscheinlich ist es ein menschlicher Urinstinkt, erstmal alles haben zu wollen. Aber man kann das bestimmt trainieren, es wenigstens hinterfragen im konkreten Fall. Ich hoffe, die Prinzessin lernt diesen Blick irgendwann, vielleicht hilft es, darüber zu reden, warum man ein bestimmtes Spielzeug unbedingt braucht. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass – wenn ich ein mir sinnlos erscheinendes Spielzeug, was sich aber dann 3x in Folge gewünscht wurde, dann zu einem besonderen Anlass gekauft habe – es dann relativ schnell ungenutzt rumlag. Das finde ich dann doppelt ärgerlich…
      Aber man lernt aus Erfahrungen 🙂
      Liebe Grüße und viel Erfolg
      Marlene

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  7. So richtig und doch, habe ich das Gefühl, sind unsere Kinder da die Ausnahme, denen sowas vermittelt wird…

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