Meine 2,4 Planeten und ich – Fazit zur Kleider-Diät 2. Teil

Seit 2017 hängt über meinem Schreibtisch eine Liste, auf der ich vermerke, wenn ich für mich ein neues Kleidungsstück gekauft oder genäht habe. Noch bin ich nicht so weit, dass für jedes Neue ein Altes gehen muss. Und auch ein paar von Freunden gebraucht geschenkte Teile habe ich vergessen zu registrieren. Aber interessant finde ich schon, dass ein ganzes Jahr vergangen ist, und ich nur vier neue Teile gekauft habe!

 

Die Neueingänge: Willkommen in meinem Schrank 😉

Ich habe mir im Januar zwei gebrauchte Pullis (schwarz und weiß, zum Drunterziehen) gekauft und im September eine neue bio-faire Jeans (genau das gleiche Modell, das ich schon hatte, was aber komischerweise nicht bedeutet, das es genauso gut sitzt wie das alte?! Sie ist trotzdem ok). Auch wenn eine neue umweltverträglich und fair hergestellte Jeans um die 100 Euro kostet, denke ich, dass ich das Budget 2018 damit nicht überreizt habe (Geld für anderes gespart!). Im Dezember kam dann noch ein Spontankauf auf einem kleinen Weihnachtsmarkt dazu: ein mit naturfarben gefärbtes Strickkleid, das aber ansonsten weder bio noch fair hergestellt wurde und somit die schlechteste Ökobilanz aufweist.

Diesen Pullover habe ich schon viele Male genäht - und er sieht immer anders aus :)

Diesen Pullover habe ich schon viele Male genäht – und er sieht immer anders aus 🙂

Außerdem habe ich mir noch zwei Pullover, teilweise aus Bio-Stoffen und teilweise aus Stoff, der schon ewig bei mir lag, und eine neue Upcycling-Tasche genäht, mit denen ich sehr zufrieden bin! Für die Pullover verwende ich mit Variationen fast immer den gleichen Schnitt (hier gibt es das kostenlose Schnittmuster auf einem französischen Blog), weil ich weiß, dass er mir steht. Ein Versuch, ein T-Shirt nach einem anderen Schnittmuster zu nähen, ist im Sommer gescheitert. Ich glaube, ich werde den Stoff für etwas anderes nutzen.

 

Das Experiment ausweiten?

Ich denke darüber nach, das Monitoring auch auf andere Dinge auszuweiten. Nahrungsmittel kaufe ich ohnehin so gut wie immer bio und am Essen sparen möchte ich nicht. Unser Fleischverbrauch als Familie ist bereits sehr gesunken (auch durch den Anspruch, das Fleisch bio zu kaufen), aber wie viel es tatsächlich ist, wäre schon interessant. Auch bei Kosmetika sieht es gut aus. Inzwischen verwenden wir viel Seife am Stück, selbstgemachtes Spülmittel und ausgewählte Cremes, Pulverwaschmittel, nur wenige Putzmittel. Aber dann gibt es noch den Konsum anderer Dinge, die man für sich kauft: elektronische Geräte, Kleinigkeiten und Impulskäufe hier und da. Vielleicht lohnt es sich, die einmal genauer im Auge zu behalten? Oder vielleicht Möglichkeiten, um den eigenen Stromverbrauch oder das eigene Müllaufkommen weiter zu reduzieren? Ich bin noch nicht fertig, mit meinen Erwägungen.


Meine 2,4 Planeten und ich: Mein persönlicher ökologischer Fußabdruck

Bei Brot für die Welt kann man sich durch ein Formular klicken, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu bestimmen. Aufgeteilt wird auch hier in verschiedene Themen, die sozusagen die persönlichen Baustellen darstellen.

Darunter Ernährung – hier wird klar, dass beim Konsum von Wurst und Fleisch und tierischen Produkten wie Milch, Käse und Joghurt, der bei uns zwar unterm deutschen Durchschnitt liegt, trotzdem Verbesserungspotential besteht. Die Herstellung dieser tierischen Produkte in diesen Mengen, wie wir sie konsumieren, tragen nun mal sehr zum CO2-Ausstoß bei. Vielleicht ein Vorsatz für 2019, hier noch mehr fleischfreie Tage die Woche einzuführen. Mit den Alternativen für Joghurt und Milch bin ich bisher nicht richtig warm geworden. Sie schmecken mir einfach nicht genauso gut und auch den Rest der Familie kann ich damit jagen.

Trotz Anstrengungen ist mein ökologischer Fußabdruck noch viel zu groß. Wie kann unsere Lebensweise angemessen werden?

Trotz Anstrengungen ist mein ökologischer Fußabdruck noch viel zu groß. Wie kann unsere Lebensweise angemessen werden?

Den Punkt „Wohnen“ im Formular zum ökologischer Fußabdruck finde ich etwas schwierig, denn die Angaben zu Wohnfläche und Heiztemperatur sind sehr allgemein. Unsere Zimmertemperatur bewegt sich (im Winter: leider) oft zwischen 18 und 20 Grad. Ich kann nicht sagen, was der Durchschnitt ist, mehr schafft die Heizung auf keinen Fall. Wähle ich 18 Grad als Durchschnitt, ist unser ökologische Fußabdruck weit unter dem deutschen Durchschnitt. Wähle ich die nächste Stufe, 20 Grad, liegt er genau im Durchschnitt. Ich nehme an, bzw. hoffe, dass wir uns hier in Wahrheit irgendwo dazwischen befinden. Faktoren wie Isolierung des Hauses z.B. fließen in die Berechnung allerdings nicht ein.

Beim Punkt „Mobilität“ bin ich mir nicht sicher, ob beim Auto die Jahreskilometer der ganzen Familie oder der Anteil per Person gezählt werden sollten. Ich hab mich für den per Person-Anteil entschieden. Bei Kilometern für Bus/Bahn pro Woche kann man zwischen 0 und 100 wählen, wo meine 5-10 mehr oder weniger langen Bahnfahrten im Jahr auf die Woche heruntergebrochen höchstens bei 50 km landen. Für einen Geschäftstermin musste ich letztes Jahr mit dem Flugzeug fliegen, was den Fußabdruck für 2018 ziemlich erhöht hat, wenn er auch noch unterm deutschen Schnitt liegt. Flugreisen sollte man natürlich möglichst vermeiden 😦

Beim Thema Konsum stehe ich laut Fußabdruckrechner ganz gut da – obwohl ich das Auto, das wir uns als Familie teilen, für die Rechnung ganz auf meine Kappe genommen habe, und auch bei den Ausgaben für Kleidung, Unterhaltung und anderes großzügig 100 € pro Monat gerechnet habe, wobei ich mir da nicht sicher bin (ein Fall, das mal genauer zu betrachten?!).

Fakt ist aber, dass ich, wenn alle so leben würden wie ich, wir 2,4 Erden bräuchten. Da besteht also dringender Handlungsbedarf!

Wo seht ihr persönlich eure größten Potentiale die eigene Klimabilanz zu verbessern?

 
 

Ab zu EiNaB!

Den Beitrag gebe ich mal wieder zu unserer nachhaltigen Linkparade „einfach. nachhaltig. besser. leben.“. Wir sind eine wechselnde, wachsende und doch feste Gruppe Blogger, die sich mit Nachhaltigkeit im Alltag beschäftigen und sich als Gastgeber der Linkparade abwechseln. Ich freue mich, dass sich mehrere von euch gemeldet haben, 2019 einen Gastbeitrag zu schreiben und Gastgeber für die Linkparade zu sein, denn das bringt frischen Wind in die Linkparade und stärkt die Gemeinschaft!

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Comments
11 Responses to “Meine 2,4 Planeten und ich – Fazit zur Kleider-Diät 2. Teil”
  1. Auf der Seite von http://slaveryfootprint.org kann man ausrechnen lassen, wie viele Sklaven für einen Arbeiten. Danke für deinen Link für den ökologischen Fußabdruck.

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    • Marlene sagt:

      Oh, eine gruselige Vorstellung, dass Sklaven für mich arbeiten müssen, aber ich werde mir die Seite mal anschauen, danke für den Hinweise! Viele Grüsse und einen schönen Sonntag!

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      • Und es sind nicht wenige Sklaven, selbst wenn man einfach und nachhaltig lebt. Wobei ja Sklaverei auch eine Abhängigkeit bedeutet. Ein sehr wichtiges und interessantes Thema. Es gibt ein gutes Buch dazu: Freiheit für Linh von Gary Haugen und Gregg Hunter (Brunnen Verlag 2009).

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      • Marlene sagt:

        Interessant, wobei man bei vielen Produkten sicher einiges bewirken kann, wenn man sie fairtrade kauft, nicht wahr? Bzw. wenn man Schmuck besitzt, den man geerbt hat oder Kleidung, die man gebraucht gekauft hat. Deswegen hoffe ich, dass die 42 Sklaven nicht wirklich für mich arbeiten! Aber gerade in der Elektronik-Branche muss sich noch viel tun, da werden so viele Metalle und seltene Erden usw. unter schlimmen Bedingungen hergestellt und es gibt kaum Zertifizierung, wonach man sich richten kann. Ich kenne zumindest nur den „Greenpeace guide to greener electronics“.
        LG, Marlene

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      • Ich gehe mal davon aus, dass du jetzt schon einmal den Check gemacht hast. Sicherlich sind das dann errechnete Durchschnittwerte. Aber erschreckend ist es schon. Und in der Mode-Branche sieht es ähnlich aus. Wenn mal wieder eine Fabrik abbrennnt ist der Aufschrei groß. Aber ändern tut sich wenig. Es hängt auch an uns Verbrauchern. Es widersetzt sich auch nicht jeder dem Modediktat.

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      • Marlene sagt:

        Da hast du recht, es steht und fällt mit den Verbrauchern. Aber bei Mode gibt es immerhin die bio-faire Alternative. Bei der Elektronik kenn ich nur das Fairphone. Ich werde da mal recherchieren, vielleicht wird ja noch ein Blogpost daraus 🙂 Ein wichtiges Thema!

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  2. Erna Flower sagt:

    Sehr interessant. Da ich jetzt erst anfange mich bewusst dem Thema zu widmen und die Motivation habe etwas zu ändern, danke ich dir für die Anregungen. Ich werde auch mal schauen wie unser Verbrauch bzw unsere Belastung tatsächlich ist. Ich laufe zwar größten teils zur Arbeit, wir achten bei Lebensmittel auf Bio und fair-trade aber das war es vorerst auch schon. Mit unserem Projekt hoffe ich auch deutliche Reduzierung meiner Ausgaben. Dir und deiner Familie weiterhin viel Erfolg

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    • Marlene sagt:

      Hallo Erna Flower, da macht ihr doch schon sehr viel – wobei ich auch irgendwie enttäuscht war, dass es immer noch so viel zu viel ist, was ich verbrauche! Daher ist euer Projekt genau das richtige. Denn es reicht nicht, einfach nicht nachhaltige Konsumgüter durch nachhaltig produzierte zu ersetzen, sondern man muss weniger verbrauchen. Bin gespannt, wie es euch gelingt und vielleicht habt ihr Tipps, wo man anfangen kann, dass es quasi am wenigsten weh tut…
      Liebe Grüsse, Marlene

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  3. Liebe Marlene,
    klar, es gibt IMMER noch Verbesserungspotential! Aber weißt du was: Ich glaube, wenn man andere Menschen für das Thema sensibilisiert, darf man sich ein paar Pluspunkte geben 😉 Ich persönlich würde ja ganz besonders gerne DORT sensibilisieren, wo noch viel mehr Handlungsbedarf herrscht als bei uns – also in den USA und Australien. Aber ich gestehe, auch bei mir gibt es ein paar böse, böse Schwachstellen. Vor allem, was das Reisen betrifft, bin ich leider kein gutes Vorbild. Andererseits: Wäre ja fad, wenn wir nicht noch ordentlich an uns zu arbeiten hätten ;-)) Ob man es jedoch hierzulande als durchschnittlich wohnender / arbeitender / essender Mensch schafft, auf einen Fußabdruck von unter einer Welt zu kommen? Ich kann es mir kaum vorstellen…
    Hut ab vor deinem Mini-Kleidungskonsum! Aber meine neuen Klamotten sind immerhin auch alle Second-Hand! (Und meine alten entweder schon ziemlich alt oder größtenteils bio/fairtrade) 🙂
    Ganz herzliche Grüße nach meiner kleinen Blogpause,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2019/01/mein-janner-in-bildern.html

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    • Marlene sagt:

      Liebe Traude,
      danke für deinen Kommentar – ich fürchte auch, dass man es mit unserem Lebensstil derzeit gar nicht schaffen kann. Die große Frage ist, ob wir irgendwann von äußeren Umständen dazu gezwungen werden, unseren Lebensstandard zu halbieren oder ob die Gesellschaft schnell genug an nachhaltigen, massentauglichen Innovationen arbeiten kann, damit das nicht passiert. Das würde dann auch anderen Weltregionen zu Wohlstand verhelfen. Wo ist das massentaugliche Elektroauto? Wo sind die Innovationen in der Luftfahrt? Sowas muss viel stärker öffentlich subventioniert werden, oder umgekehrt muss nicht nachhaltiges viel mehr besteuert werden, denn für die Aufräumarbeiten sind immer die Steuergelder zuständig…
      Du bekommst natürlich extra Punkte, je mehr Menschen du sensibilisierst 😀 Das sehe ich genauso!
      LG, Marlene

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